Schenkung nach Scheidung - Grunderwerbssteuer?

kampfgeist
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Schenkung nach Scheidung - Grunderwerbssteuer?

Beitragvon kampfgeist » 25.04.2012, 10:51

Hallo,
also die Scheidung meiner Eltern wurde heute vollzogen. Der Richter muss aber noch eine Änderung in der Scheidungsvereinbarung vornehmen, bezüglich der Schenkung des Hauses an meine Mutter.
Nun schockte uns aber die Aussage vom Anwalt meines Vaters: Wenn alles rechtskräftig ist, müssen wir das mit dem Haus beim Finanzamt melden und den 3-fachen Einheitswert ans FA zahlen!!
Das Haus wurde gemeinsam gekauft, sprich: Mama zahlte die Hälfte plus die Grunderwerbssteuer und Papa zahlte die Hälfte. Im Grundbuch steht er als Alleineigentümer.
Wenn er nun das gesamte Haus meiner Mutter schenkt, muss sie doch, ausser die Gebühr für die Grundbuchänderung, nichts bezahlen. Schenkungssteuer gibts ja keine mehr und er SCHENKT es ihr ja?!
Die ganzen Belege, was Mama alles beim Hauskauf gezahlt hat, haben wir alle noch!!!
P.S.: Einheitswert ist € 11.000 das 3fache wären dann € 33.000 wie soll man sich das leisten können?????

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Re: Schenkung nach Scheidung - Grunderwerbssteuer?

Beitragvon Nachfolgefrau » 25.04.2012, 11:49

Jetzt mal ruhig Blut und gehts heut feiern, wenn die Scheidung erwünscht war und nach langem Hin und Her endlich durch ist! :mrgreen:

Es geht da um den 3fachen Einheitswert als Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbssteuer und ihre Mutter hat den gegnerischen Anwalt heftig mißverstanden.
http://www.akstmk.at/bilder/d29/Grundstuecksuebertragungsfibel_7.Auflage.pdf

Was weiß ich darüber?
Steuerrechtlich unterliegt der Titel (hier: das Abtretungsgeschäft im Zuge der Scheidung, schriftlicher Vertrag) der Grunderwerbsteuer.
Ihre Mutter muss ev. die Steuer zahlen, nicht aber den 3fachen Einheitswert!
Höhe der Steuer: Bei Erwerb durch einen Gatten vom anderen bei Aufteilung ehelichen Gebrauchsvermögens anlässlich der Scheidung: 2,0% (Ich hoffe, der Steuersatz ist noch aktuell.)

Also Grunderwerbssteuer 2 % von 33.000.- = 660.-

Bitte auf die echten Experten warten! Ist bei mir zulange her, das Steuerrechtliche.
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Re: Schenkung nach Scheidung - Grunderwerbssteuer?

Beitragvon dgt » 25.04.2012, 21:39

Nachfolgefrau hat geschrieben:Jetzt mal ruhig Blut und gehts heut feiern, wenn die Scheidung erwünscht war und nach langem Hin und Her endlich durch ist! :mrgreen:

Es geht da um den 3fachen Einheitswert als Bemessungsgrundlage für die Grunderwerbssteuer und ihre Mutter hat den gegnerischen Anwalt heftig mißverstanden.
http://www.akstmk.at/bilder/d29/Grundstuecksuebertragungsfibel_7.Auflage.pdf

Was weiß ich darüber?
Steuerrechtlich unterliegt der Titel (hier: das Abtretungsgeschäft im Zuge der Scheidung, schriftlicher Vertrag) der Grunderwerbsteuer.
Ihre Mutter muss ev. die Steuer zahlen, nicht aber den 3fachen Einheitswert!
Höhe der Steuer: Bei Erwerb durch einen Gatten vom anderen bei Aufteilung ehelichen Gebrauchsvermögens anlässlich der Scheidung: 2,0% (Ich hoffe, der Steuersatz ist noch aktuell.)

Also Grunderwerbssteuer 2 % von 33.000.- = 660.-

Bitte auf die echten Experten warten! Ist bei mir zulange her, das Steuerrechtliche.

Steuersatz ist aktuell
Steuersatz
Grunderwerbssteuergesetz 1987
§ 7. (1) Die Steuer beträgt beim Erwerb von Grundstücken:
1. durch den Ehegatten, den eingetragenen Partner, einen Elternteil, ein Kind, ein Enkelkind, ein Stiefkind, ein Wahlkind oder ein Schwiegerkind des Übergebers
2 v.H.,
2. a) durch einen Ehegatten von dem anderen Ehegatten bei Aufteilung ehelichen Gebrauchsvermögens und ehelicher Ersparnisse anlässlich der Scheidung, Aufhebung oder Nichtigerklärung der Ehe 2 v.H.,
Eine übertragung anlässlich eines Scheidungsfolgenvergleichs wird kaum als Schenkung durch das FA akzeptiert werden. 660 sollte man sich leisten können.

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Re: Schenkung nach Scheidung - Grunderwerbssteuer?

Beitragvon Nachfolgefrau » 25.04.2012, 22:05

@Tews
Danke für die Bestätigung!
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Re: Schenkung nach Scheidung - Grunderwerbssteuer?

Beitragvon kampfgeist » 26.04.2012, 05:37

Danke, €660 kann man sich eher leisten als die € 33.000
Trotzdem verstehe ich nicht, wieso Mama das nochmals zahlen muss, das hat sie beim Hauskauf ja schon bezahlt.
Und wenn sie nachweisen kann, dass SIE eine Hälfte des Hauses bezahlt hat?! Gehört in einer Ehe nicht sowieso jedem die Hälfte?!

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Re: Schenkung nach Scheidung - Grunderwerbssteuer?

Beitragvon Nachfolgefrau » 26.04.2012, 10:01

kampfgeist hat geschrieben:Danke, €660 kann man sich eher leisten als die € 33.000
Trotzdem verstehe ich nicht, wieso Mama das nochmals zahlen muss, das hat sie beim Hauskauf ja schon bezahlt.
Und wenn sie nachweisen kann, dass SIE eine Hälfte des Hauses bezahlt hat?! Gehört in einer Ehe nicht sowieso jedem die Hälfte?!
Ihre Frage führt jetzt zuweit in die komplexe Materie des Aufteilungsverfahrens. Abgesehen davon dürfte das ja schon gegessen sein, wenn die einvernehmliche Scheidung durch ist.

Warum die Mama das zahlen muss? Weils im Grunderwerbssteuergesetz steht. Bei Übertragung einer Liegenschaft sind Steuern fällig.
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Re: Schenkung nach Scheidung - Grunderwerbssteuer?

Beitragvon dgt » 26.04.2012, 11:27

kampfgeist hat geschrieben:Gehört in einer Ehe nicht sowieso jedem die Hälfte?!
Eben nicht (ein häufiger Rechtsaberglaube).
Nur wenn die Mutter auch Käuferin war und sie im Grundbuch eingetragen war, hat ihr auch die Hälfte gehört.
Im übrigen ist die steuerliche Frage hochkomplex und kann hier nicht erörtert werden (es ist nicht nur die Liegenschaft zu berücksichtigen sondern alle Vermögenswerte etc.). Nur eine Rechtsberatung bei einem spezialisierten Anwalt und der Aufwand diese Überlegungen dem FA näher zu bringen dürfte die mögliche ERsparnis (nie mehr als € 660,00) schlichtweg auffressen.

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Re: Schenkung nach Scheidung - Grunderwerbssteuer?

Beitragvon kampfgeist » 26.04.2012, 11:59

Sie war im Grundbuch zur Hälfte eingetragen, aber als sie arbeitslos wurde hat sie Papa ihre Hälfte geschenkt, wegen Arbeitslosengeld usw. es war (leider nur mündlich) ausgemacht, dass er ihr die Hälfte wieder zurück schenkt, wenn sie einen Job gefunden hat. Da sie "schwer vermittelbar" war (wegen dem Alter) wurde sie von einem in den nächsten Kurs gesteckt und als sie einen Job fand, war die Trennung schon. Und die Eintragung der Hälfte ins Grundbuch wurde von meinem lieben Herrn Vater immer mit "ja, mach ich schon, wenn ich Zeit habe!" kommentiert, aber nie gemacht.

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Re: Schenkung nach Scheidung - Grunderwerbssteuer?

Beitragvon werner » 26.04.2012, 13:23

Und wer hat damals bei der ersten Schenkung die Grunderwerbssteuer (und in welcher Höhe) bezahlt?
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Re: Schenkung nach Scheidung - Grunderwerbssteuer?

Beitragvon dgt » 26.04.2012, 14:02

kampfgeist hat geschrieben:Sie war im Grundbuch zur Hälfte eingetragen, aber als sie arbeitslos wurde hat sie Papa ihre Hälfte geschenkt, wegen Arbeitslosengeld usw. es war (leider nur mündlich) ausgemacht, dass er ihr die Hälfte wieder zurück schenkt, wenn sie einen Job gefunden hat.
Wozu sollte denn das gut gewesen sein? da waren die Kosten (Notar, Grundbuch, Grunderwerbssteuer) sicher höher als jetzt die € 660,00.

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Re: Schenkung nach Scheidung - Grunderwerbssteuer?

Beitragvon kampfgeist » 26.04.2012, 17:29

keine Ahnung, Mama wollte anscheinend erst auch nicht, aber, dann ist sie so von ihren Schwiegereltern und Papa vollgelabert worden und ihr ging es damals gesundheitlich auch nicht gut, dass sie für den ganzen "Terror" keine Kraft hatte, dann willigte sie halt ein. Komischerweise gibt es über diese Schenkung auch keine Unterlagen, obwohl ALLES immer abgelegt wurde. Mama kann sich auch nicht erinnern damals bei einem Notar o.ä. gewesen zu sein.

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Re: Schenkung nach Scheidung - Grunderwerbssteuer?

Beitragvon dgt » 26.04.2012, 21:52

kampfgeist hat geschrieben:keine Ahnung, Mama wollte anscheinend erst auch nicht, aber, dann ist sie so von ihren Schwiegereltern und Papa vollgelabert worden und ihr ging es damals gesundheitlich auch nicht gut, dass sie für den ganzen "Terror" keine Kraft hatte, dann willigte sie halt ein. Komischerweise gibt es über diese Schenkung auch keine Unterlagen, obwohl ALLES immer abgelegt wurde. Mama kann sich auch nicht erinnern damals bei einem Notar o.ä. gewesen zu sein.

Die Schenkungsurkunde müssen Sie am Grundbuch finden (hoffentlich nicht am BG Dornbirn :mrgreen: )

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Re: Schenkung nach Scheidung - Grunderwerbssteuer?

Beitragvon kampfgeist » 28.04.2012, 10:54

Dann wird da sicher auch der Notariatsakt liegen, vielleicht steht ja doch etwas von der Rückschenkung drinnen.

Hab mal so unter den Bekannten nachgefragt und die meinen, dass €11.000 Einheitswert für unser Haus/Grundstück extrem hoch sei. Da ich das Anhand der Grundsteuer ausgerechnet habe, war das glaub ich falsch. Die Grundsteuer ist mit 500% Hebesatz also:
€ 13,44 Messbetrag * 500,00 Hebesatz = €67,20
Dann sind aber nicht die €67,20 0,05% des Einheitswertes, sondern die €13,44 oder?

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Re: Schenkung nach Scheidung - Grunderwerbssteuer?

Beitragvon dgt » 28.04.2012, 12:16

kampfgeist hat geschrieben:Dann wird da sicher auch der Notariatsakt liegen, vielleicht steht ja doch etwas von der Rückschenkung drinnen.

Hab mal so unter den Bekannten nachgefragt und die meinen, dass €11.000 Einheitswert für unser Haus/Grundstück extrem hoch sei. Da ich das Anhand der Grundsteuer ausgerechnet habe, war das glaub ich falsch. Die Grundsteuer ist mit 500% Hebesatz also:
€ 13,44 Messbetrag * 500,00 Hebesatz = €67,20
Dann sind aber nicht die €67,20 0,05% des Einheitswertes, sondern die €13,44 oder?

Es gibt einen eigenen Einheitswertbescheid. € 11.000,00 sind für ein Haus mit Sicherheit NICHT EXTREM HOCH!


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