Erbrecht - wie agieren?

Christa
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Erbrecht - wie agieren?

Beitragvon Christa » 21.11.2015, 23:48

Bei uns ist größtenteils das Erbe Geschichte.
Haus und Hof wurden aufgeteilt und entsprechende Erbverzichtserklärungen unter Zugrundelegung einer Ausgleichszahlung abgehandelt..
Es wurde also alles geregelt, allerdings mit Stichtag der Hofübergabe.

Das hat der Notar damals auch schon so gesagt, und es steht auch im Notariatsakt, dass die Erbverzichtserklärung rein auf den Hof beschränkt ist.

Im August ist unser Vater verstorben und demnächst wird es zu einer Verlassenschaftsabhandlung kommen weil sich da doch noch etwas/aber wenig zu vererben ergibt.
Darauf möchte ich allerdings nicht näher eingehen.
Mit zwei von drei Geschwistern bin ich übereingekommen, dass wir uns über Geschenke aus warmen Händen mütterlicherseits jederzeit freuen, aber sie niemals zwingen würden einen Anteil der gemeinsamen Ersparnisse an uns auszuzahlen.

Ein Bruder schlägt da aber leider voll aus der Reihe, und wir sind von seinem Verhalten schon ziemlich angespeißt. Keinesfalls soll er davon begünstigt werden wenn wir Anderen wieder eine Erbverzichtserklärung abgeben.

Wie läuft so eine Verlassenschaftsabhandlung ab wenn drei von vier Kindern auf das Erbe verzichten?
Wird auf gleicher Ebene verteilt, also wenn drei Kinder verzichten erhält eben das 4. Kind den gesamten Brocken?

Oder gibt's da noch andere Varianten?
Worauf sollten wir achten?
... Gehörtes in mir zu bergen und Achtung vor allem zu haben was lebt, und dort die Schönheit zu entdecken wo sie scheinbar nicht vorhanden ist, das ist es wonach ich streben will....

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Re: Erbrecht - wie agieren?

Beitragvon kopfsalat » 22.11.2015, 12:14

Ganz laienhaft gedacht: wäre es eine Variante nicht auf das Erbe zu verzichten und zugleich den eigenen Erbteil ganz einfach stillschweigend nicht von der Mutter einzufordern? Sondern einfach bei ihr bzw ihr zu belassen?

LG

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Re: Erbrecht - wie agieren?

Beitragvon Christa » 22.11.2015, 22:24

Das haben wir auch schon angedacht, aber diese Lösung wäre äußerst unbefriedigend.

Unsere Mutter ist nicht ganz einfach, und allein die Tatsache dass sie uns, festgeschrieben, einen bestimmten Betrag der gemeinsam erwirtschafteten Ersparnisse zukommen lassen muss wird Ortsgespräch werden; selbst dann wenn wir ihr eben diesen Betrag wieder zurück erstatten.

Daher noch einmal die Frage, vielleicht etwas klarer ausgedrückt:
Wer partizipiert wenn drei von vier Kindern das Erbe ausschlagen?
Unser "verlorenes Schaf" soll definitiv nicht Nutznießer werden, aber die Mutter soll durchaus behalten was sie sich mit dem Papa gemeinsam angespart hat.
Wie geht man hier am besten vor???
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Re: Erbrecht - wie agieren?

Beitragvon dgt » 22.11.2015, 22:57

Christa hat geschrieben:Das haben wir auch schon angedacht, aber diese Lösung wäre äußerst unbefriedigend.

Unsere Mutter ist nicht ganz einfach, und allein die Tatsache dass sie uns, festgeschrieben, einen bestimmten Betrag der gemeinsam erwirtschafteten Ersparnisse zukommen lassen muss wird Ortsgespräch werden; selbst dann wenn wir ihr eben diesen Betrag wieder zurück erstatten.

Daher noch einmal die Frage, vielleicht etwas klarer ausgedrückt:
Wer partizipiert wenn drei von vier Kindern das Erbe ausschlagen?
Unser "verlorenes Schaf" soll definitiv nicht Nutznießer werden, aber die Mutter soll durchaus behalten was sie sich mit dem Papa gemeinsam angespart hat.
Wie geht man hier am besten vor???

Wurden mehrere Kinder zu festen Teilen als Erben eingesetzt, kommt es zu keiner Anwachsung.
Ist dies nicht der Fall, kann es zu einer Anwachsung kommen
siehe diese Entscheidung

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Re: Erbrecht - wie agieren?

Beitragvon dgt » 22.11.2015, 23:00

Christa hat geschrieben:Unser "verlorenes Schaf" soll definitiv nicht Nutznießer werden, aber die Mutter soll durchaus behalten was sie sich mit dem Papa gemeinsam angespart hat.
Wie geht man hier am besten vor???

Reden Sie mit dem Notar über die Möglichkeit einer Erbschaftsschenkung

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Re: Erbrecht - wie agieren?

Beitragvon Christa » 20.02.2016, 02:07

Heute hat endlich die Verlassenschaftsabhandlung stattgefunden und alle vier Kinder haben zugunsten der Mutter auf ihr Erbe verzichtet.

Vom Notar wurden wir aber explizit darauf hingewiesen, dass ein Erbverzicht uns Kinder nicht davor schützt für später aufkommende Schulden des Verstorbenen in die Haftung genommen zu werden. Bei unserem Vater wären das ganz sicher keine Schulden die er heimlich aufgenommen hätte, Bürgschaften, verschwiegene Kinder etc....... aber wir sind uns unsicher ob da nicht noch etwas hereinschneit an Behandlungskosten.
Daher haben wir dem Rechtsmittelverzicht nicht zugestimmt.

Wenn ich das jetzt richtig im Kopf habe wird es ca. 1 Monat dauern bis wir den Gerichtsbeschluss in Händen halten und danach haben wir noch 4 Wochen Zeit um Rechtsmittel dagegen einzulegen - wäre dann Mitte/Ende April 2016.
Vater ist im August 2015 verstorben - wie lange hat das KH Zeit um Behandlungskosten in Rechnung zu stellen?


Der Begriff 'Erbschaftsschenkung' war übrigens dem Notariatsanwärter nicht geläufiger als mir :mrgreen: !
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Re: Erbrecht - wie agieren?

Beitragvon Christa » 20.02.2016, 02:17

Noch eine Zusatzfrage:

Im Übergabsvertrag wurde geregelt, dass der Hoferbe für eine standesgemäße Beerdigung der Übergeber aufzukommen hat.

Wenn weiter nichts angeführt ist, ist das so zu verstehen dass der Hoferbe dafür jedenfalls zu 100 % aufkommen muss, oder nur zu dem Teil der die Verlassenschaft übersteigt?
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Re: Erbrecht - wie agieren?

Beitragvon dgt » 20.02.2016, 09:46

Christa hat geschrieben:Heute hat endlich die Verlassenschaftsabhandlung stattgefunden und alle vier Kinder haben zugunsten der Mutter auf ihr Erbe verzichtet.

Vom Notar wurden wir aber explizit darauf hingewiesen, dass ein Erbverzicht uns Kinder nicht davor schützt für später aufkommende Schulden des Verstorbenen in die Haftung genommen zu werden. Bei unserem Vater wären das ganz sicher keine Schulden die er heimlich aufgenommen hätte, Bürgschaften, verschwiegene Kinder etc....... aber wir sind uns unsicher ob da nicht noch etwas hereinschneit an Behandlungskosten.
Daher haben wir dem Rechtsmittelverzicht nicht zugestimmt.

Wenn ich das jetzt richtig im Kopf habe wird es ca. 1 Monat dauern bis wir den Gerichtsbeschluss in Händen halten und danach haben wir noch 4 Wochen Zeit um Rechtsmittel dagegen einzulegen - wäre dann Mitte/Ende April 2016.
Vater ist im August 2015 verstorben - wie lange hat das KH Zeit um Behandlungskosten in Rechnung zu stellen?


Der Begriff 'Erbschaftsschenkung' war übrigens dem Notariatsanwärter nicht geläufiger als mir :mrgreen: !

Mir it unklar: Warum Übergabevertrag?
Wenn die Kinder auf das Erbe verzichtet haen, haften sie für gar nichts. Wenn das Erbe angetreten wurde und dann der Hof der Mutter übergeben wurde - das ist mE die dümmste Lösung.

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Re: Erbrecht - wie agieren?

Beitragvon Christa » 20.02.2016, 11:32

Mir it unklar: Warum Übergabevertrag?
Wenn die Kinder auf das Erbe verzichtet haen, haften sie für gar nichts. Wenn das Erbe angetreten wurde und dann der Hof der Mutter übergeben wurde - das ist mE die dümmste Lösung


Der Hof wurde schon vor Jahren an einen Bruder übergeben.
Und in diesem Übergabsvertrag steht, dass dieser für eine standesgemäße Beerdigung der Erblasser aufkommen muss.

Bei der gestrigen Abhandlung ging es nur mehr um das Restvermögen.(Sparguthaben, Bausparer etc.).
Von diesen Aktiva hat der Notar automatisch die Beerdigungskosten abgezogen was meiner Meinung nach nicht ganz richtig ist.
Oder sind Begräbniskosten in jedem Fall zuerst aus der Erbmasse zu bezahlen?


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Re: Erbrecht - wie agieren?

Beitragvon dgt » 20.02.2016, 14:12

Christa hat geschrieben:
Mir it unklar: Warum Übergabevertrag?
Wenn die Kinder auf das Erbe verzichtet haen, haften sie für gar nichts. Wenn das Erbe angetreten wurde und dann der Hof der Mutter übergeben wurde - das ist mE die dümmste Lösung


Der Hof wurde schon vor Jahren an einen Bruder übergeben.
Und in diesem Übergabsvertrag steht, dass dieser für eine standesgemäße Beerdigung der Erblasser aufkommen muss.

Bei der gestrigen Abhandlung ging es nur mehr um das Restvermögen.(Sparguthaben, Bausparer etc.).
Von diesen Aktiva hat der Notar automatisch die Beerdigungskosten abgezogen was meiner Meinung nach nicht ganz richtig ist.
Oder sind Begräbniskosten in jedem Fall zuerst aus der Erbmasse zu bezahlen?

mE ist das die primäre Pflicht des Übernehmers.


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