erweitertes Besuchsrecht

Forum zur Diskussion über den vorliegenden Entwurf einer Familienrechtsreform.
ein Vater
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erweitertes Besuchsrecht

Beitragvon ein Vater » 13.02.2013, 09:51

Hallo zusammen,
ich bin geschieden und lebe in einer funktionierenden Patchworkfamilie.
Meine Ex- Fau hat wie gewöhnlich unsere beiden Söhne (10 und 8 Jahre) großteils (Ausnahme alle 14- Tage von Fr. Nachmittag bis Sonntag Abend), aber wir haben das gemeinsame Sorgerecht.

Seit vorigem Jahr fragen beide immer wieder nach, ob sie mehr bei mir sein können. Habe das erstmals dezent ignoriert, da mir von Jugendamt usw. erklärt wurd, diese sei normal, dass Kinder dem Papa ja was liebes sagen wollen, aber auch nicht mehr.
Nun ist aber ein Jahr vergangen und der Wunsch ist immer noch da. Daher bin ich in Abstimmung mit meiner Ex- Frau zum Kinderpsychologen, um zu sehen, ob die Kinder etwas drückt. Egal, ob bei den Partnern oder Eltern, oder aber auch in der Schule. Dabei gab es einige Erkenntnisse, aber an sich nichts gravierendes. Aber eine Sache ist bei beiden sehr deutlich, dass sie mehr zum Papa wollen und zwar haben sie eine genaue Vorstellung:
eine Woche Papa und
eine Woche Mama
(wurde in einem Befund vom Psychologen schriftlich bestätigt)

Nun hat meine Ex- Frau aber was dagegen. Sie meint die Jungs dürfen nicht (gesetzlich), aber auch es ist niht gut, weil sie einen geregelten Rythmus brauchen (hätte aber gleichzeitig angeboten einen Tag unter der Woche plus jedes zweites WE, was meiner Ansicht nach nicht viel mehr Rythmus hat, als je eine Woche), aber auch das sie nur eine Wohnistz haben können usw.

Langer Rede kurzer Sinn, dürfen meine Kinder zu mir, auch im Sinn der Reform?
Und wenn ja, was muss da geschehen, bzw. was muß ich tun, damit ich dem Wunsch der Kinder entspreche?
Bitte wäre sehr wichtig
Vielen Dank im Vorraus

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Re: erweitertes Besuchsrecht

Beitragvon Nachfolgefrau » 13.02.2013, 16:27

Doppelresidenz bzw. 50/50-Modell geht auch nach der Reform nicht, da hat ihre Frau Recht. (Es ginge schon, wenn man es privat so hält und die Behörden draussen lässt.) Ein ausgedehnteres Besuchsrecht geht aber jederzeit, sogar ganz leicht, wenn sie sich einig sind.

Persönlicher Rat: Dehnen sie im Einverständnis ihrer Frau das Kontaktrecht aus, schriftlich und per Gerichtsbeschluss (zur Absicherung). Und in 2 Jahren dehnen sie es wieder aus ... kostet nicht viel, wenn ihre Frau einverstanden ist.

Sobald die Kinder altersmäßig an der Mündigkeit kratzen, ziehen sie dann sowieso fix zu ihnen, wenn die Mama ihnen das jetzt gegen ihren fixen und beständigen Willen dauerhaft verbietet. Dann passiert es, egal was ihre Mutter für Vorstellungen hat. :twisted:
Keine Bosheit meinerseits sondern 17 Jahre Erfahrung mit diesem Thema.
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Re: erweitertes Besuchsrecht

Beitragvon ein Vater » 13.02.2013, 19:47

Hallo Fr. Angelika,

Danke für die Antwort. Ja das 50/50 Model aus anderen Ländern kenne ich, aber so weit sind wir hier leider noch lange nicht.

Da ich ja einige Beiträge durchkämmt habe, ist mir bei einem der Auszug aus dem Gesetzestext aufgefallen:

§ 186. Jeder Elternteil eines minderjährigen Kindes hat mit dem Kind eine persönliche Beziehung einschließlich der persönlichen Kontakte (§ 187) zu pflegen.

§ 187. (1) Das Kind und jeder Elternteil haben das Recht auf regelmäßige und den Bedürfnissen des Kindes entsprechende persönliche Kontakte. Die persönlichen Kontakte sollen das Kind und die Eltern einvernehmlich regeln. Soweit ein solches Einvernehmen nicht erzielt wird, hat das Gericht auf Antrag des Kindes oder eines Elternteils diese Kontakte in einer dem Wohl des Kindes entsprechenden Weise zu regeln und die Pflichten festzulegen. Die Regelung hat die Anbahnung und Wahrung des besonderen Naheverhältnisses zwischen Eltern und Kind sicherzustellen und soll möglichst sowohl Zeiten der Freizeit als auch die Betreuung im Alltag des Kindes umfassen. Das Alter, die Bedürfnisse und die Wünsche des Kindes sowie die Intensität der bisherigen Beziehung sind besonders zu berücksichtigen.

Das sollte aber dann bedeuten, dass (es liegt eindeutig der Wunsch vor, da vom Psychologen bestätigt)sofern der Wunsch der Kinder vorliegt, dieser auch respektiert werden und umgesetzt werden muss, zum Wohl der Kinder.
Um ehrlich zu sein, ist es gut und schön, "Step by Step" die Besuchsrechte auszuweiten, aber bis diese dann so weit sind, dass es eine annähernde 50/ 50 Lösung ist und dem Wunsch der Kinder entspricht, ist die Entwicklung der Kinder so gut wie abgeschlossen und ich kann nicht mehr positiv auf ihre schulische Ausbildung einwirken und auch viele andere zwischenmenschliche Aspekte werden dann im argen liegen. Daher ist es wichtig dem Wunsch ganz zu entsprechen. In dieser Art darf ich zusehen, wie meine Kinder eine Richung einschlagen, die leider weit von dem entfernt ist, das man sich für seine Kinder wünscht.

Zu genannten Vorgehen würde es aber dann noch zusätzlich dem Wohlwollen meiner Ex- Frau bedürfen, die dann wiederum alle ein bis zwei Jahre um Erlaubnis gefragt werden muss, ob die Kinder ein bisschen mehr ihrem eigenen Wunsch nachkommen dürfen..... Also statt einem kurzen Schreicken würden das ein Schrecken ohne Ende und meine Kinder haben nicht ihren Wunsch und haben eine schelchte Ausbildung weil sich niemand darum kümmert usw.
Nein, das möchte ich nicht.

Gibt es keine Alternative?
Und sollte sich meine Ex- Frau in dem Gespräch nächste Woche doch, wieder erwarten darauf einlassen, wie würde es mit den Alimenten aussehen?
Sollte alles festgehalten werden und richterlich oder notariell beglaubigt werden?

Danke

Nachtrag: der Hauptwohnsitz kann ja durchaus bei meiner Ex- Frau bleiben und auch gesamte Kinderbetreuungsgeld.

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Re: erweitertes Besuchsrecht

Beitragvon unhappy » 14.02.2013, 08:14

Er schreibt ja dass die Ex-Frau ihr Einverständnis nicht geben wird.

Gibts in diesem Fall eigentlich eine andere Möglichkeit? Antrag auf Ausweitung des Besuchsrechtes udgl.?
Die Kinder sind ja scheinbar noch zu jung um hierzu befragt zu werden.

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Re: erweitertes Besuchsrecht

Beitragvon Nachfolgefrau » 18.02.2013, 13:57

Und sollte sich meine Ex- Frau in dem Gespräch nächste Woche doch, wieder erwarten darauf einlassen, wie würde es mit den Alimenten aussehen?
Sollte alles festgehalten werden und richterlich oder notariell beglaubigt werden?
Notariell nicht, aber gerichtlich sehr wohl. Der Unterhalt kann (wieder per Antrag und Gerichtsbeschluss) wegen überdurchschnittlichem Kontaktrecht vermindert werden. Aber Achtung: Überlegen sie, ob die KM nicht lieber das Kontaktrecht vermindert als den Unterhalt ...
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Re: erweitertes Besuchsrecht

Beitragvon Nachfolgefrau » 18.02.2013, 14:00

Natürlich gibt es die "normale" rechtlich abgesicherte Möglichkeit, einen Antrag auf Ausdehnung des gewünschten Kontaktrechts zu stellen. Seit 1.2. kann man diesen Antrag auch mit dem im neuen Gesetz aufgezählten Punkten des Kindeswohls mE gut untermauern.
Wie immer in strittigen Kontaktrechtsverfahren wird es dann ein gerichtlich beauftragtes Sachverständigengutachten geben, nach dem sich das Gericht (allermeistens) auch halten wird.

Der 10jährige muss zusätzlich vom Gericht befragt werden und es kann (!) auch eine Stellungnahme vom JWT eingeholt werden.

Der normale Weg halt. An dem hat sich seit 1.2. ja nichts geändert. Ich denke nur nicht, dass ein Gericht das 50/50-Modell beschließen wird, weil dieses nicht vorgesehen ist.
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Re: erweitertes Besuchsrecht

Beitragvon Nachfolgefrau » 18.02.2013, 15:25

Ergänzung: "Positiv auf ihre schulische Ausbildung einwirken" können sie mE sowieso nur mit Obsorge (zumindest gemeinsamer) und damit der Erziehungsberechtigung.
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