6-Monate "vorläufige elterliche Verantwortung"

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werner
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6-Monate "vorläufige elterliche Verantwortung"

Beitragvon werner » 26.10.2012, 08:21

§ 180. (1) ABGB hat geschrieben: Wenn nach Auflösung der häuslichen Gemeinschaft der Eltern binnen angemessener Frist eine Vereinbarung nach § 179 nicht zustande kommt oder wenn ein Elternteil die Übertragung der alleinigen Obsorge an ihn oder die Beteiligung an der Obsorge beantragt, hat das Gericht, sofern dies dem Wohl des Kindes entspricht, für einen Zeitraum von sechs Monaten unter Aufrechterhaltung der bisherigen Obsorgeregelung einem, mit der Obsorge betrauten Elternteil die hauptsächliche Betreuung des Kindes in seinem Haushalt aufzutragen und dem anderen ein derart ausreichendes Kontaktrecht einzuräumen, dass er auch die Pflege und Erziehung des Kindes wahrnehmen 9 von 22 kann (Phase der vorläufigen elterlichen Verantwortung). Für diesen Zeitraum sind im Einvernehmen der Eltern oder auf gerichtliche Anordnung die Details des Kontaktrechts, der Pflege und Erziehung sowie der Unterhaltsleistung festzulegen. Nach Ablauf des Zeitraums hat das Gericht auf der Grundlage der Erfahrungen in der Phase der vorläufigen elterlichen Verantwortung und nach Maßgabe des Kindeswohls über die Obsorge endgültig zu entscheiden. Wenn das Gericht beide Eltern mit der Obsorge betraut, hat es auch festzulegen, in wessen Haushalt das Kind hauptsächlich betreut wird.


In den Erläuterungen steht dazu noch folgendes:
Die „Phase der vorläufigen elterlichen Verantwortung“ muss ferner durch einen exakten Plan für die Ausübung des Kontaktsrechts (inklusive von Vorkehrungen für die Fälle, dass ein Kontakt einmal ausfällt), die Wahrnehmung der Pflege und Erziehung des Kindes durch den kontaktberechtigten Elternteil sowie die Erbringung der Unterhaltsleistungen vorsehen. All das erscheint geboten, um einen möglichst störungsfreien und im Interesse des Kindes friedvollen Umgang zu sichern.
Ist laut dem reinen Gesetzestext jetzt klar dass es auch Ersatzkontakte geregelt sein müssen oder bindet der Erläuterungstext hier nicht?
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ulrich
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Re: 6-Monate "vorläufige elterliche Verantwortung"

Beitragvon ulrich » 26.10.2012, 09:05

werner hat geschrieben:
§ 180. (1) ABGB hat geschrieben: Wenn nach Auflösung der häuslichen Gemeinschaft der Eltern binnen angemessener Frist eine Vereinbarung ... nicht zustande kommt oder wenn ..., hat das Gericht, ......dem anderen ein derart ausreichendes Kontaktrecht einzuräumen, dass er auch die Pflege und Erziehung des Kindes wahrnehmen .. kann . Für diesen Zeitraum sind im Einvernehmen der Eltern oder auf gerichtliche Anordnung die Details des Kontaktrechts, .....


In den Erläuterungen steht dazu noch folgendes:
Die „Phase der vorläufigen elterlichen Verantwortung“ muss ferner durch einen exakten Plan für die Ausübung des Kontaktsrechts (inklusive von Vorkehrungen für die Fälle, dass ein Kontakt einmal ausfällt), die Wahrnehmung der Pflege und Erziehung des Kindes durch den kontaktberechtigten Elternteil sowie die Erbringung der Unterhaltsleistungen vorsehen. ....
Ist laut dem reinen Gesetzestext jetzt klar dass es auch Ersatzkontakte geregelt sein müssen oder bindet der Erläuterungstext hier nicht?


Soweit ich das lese und ein bisserl zusammengestrichen habe, hat das Gericht sehr wohl einen rigiden Plan zu erstellen, der unter Berücksichtigung des Kindeswohls keinerlei Unklarheiten läßt. Wird wohl ein Haufen Arbeit für das Gericht. Oder für die Berater der Eltern, um zu einem Konsens zu kommen...

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Re: 6-Monate "vorläufige elterliche Verantwortung"

Beitragvon dgt » 27.10.2012, 10:06

werner hat geschrieben:
§ 180. (1) ABGB hat geschrieben: Wenn nach Auflösung der häuslichen Gemeinschaft der Eltern binnen angemessener Frist eine Vereinbarung nach § 179 nicht zustande kommt oder wenn ein Elternteil die Übertragung der alleinigen Obsorge an ihn oder die Beteiligung an der Obsorge beantragt, hat das Gericht, sofern dies dem Wohl des Kindes entspricht, für einen Zeitraum von sechs Monaten unter Aufrechterhaltung der bisherigen Obsorgeregelung einem, mit der Obsorge betrauten Elternteil die hauptsächliche Betreuung des Kindes in seinem Haushalt aufzutragen und dem anderen ein derart ausreichendes Kontaktrecht einzuräumen, dass er auch die Pflege und Erziehung des Kindes wahrnehmen 9 von 22 kann (Phase der vorläufigen elterlichen Verantwortung). Für diesen Zeitraum sind im Einvernehmen der Eltern oder auf gerichtliche Anordnung die Details des Kontaktrechts, der Pflege und Erziehung sowie der Unterhaltsleistung festzulegen. Nach Ablauf des Zeitraums hat das Gericht auf der Grundlage der Erfahrungen in der Phase der vorläufigen elterlichen Verantwortung und nach Maßgabe des Kindeswohls über die Obsorge endgültig zu entscheiden. Wenn das Gericht beide Eltern mit der Obsorge betraut, hat es auch festzulegen, in wessen Haushalt das Kind hauptsächlich betreut wird.


In den Erläuterungen steht dazu noch folgendes:
Die „Phase der vorläufigen elterlichen Verantwortung“ muss ferner durch einen exakten Plan für die Ausübung des Kontaktsrechts (inklusive von Vorkehrungen für die Fälle, dass ein Kontakt einmal ausfällt), die Wahrnehmung der Pflege und Erziehung des Kindes durch den kontaktberechtigten Elternteil sowie die Erbringung der Unterhaltsleistungen vorsehen. All das erscheint geboten, um einen möglichst störungsfreien und im Interesse des Kindes friedvollen Umgang zu sichern.
Ist laut dem reinen Gesetzestext jetzt klar dass es auch Ersatzkontakte geregelt sein müssen oder bindet der Erläuterungstext hier nicht?

der Erläuterungstext bindet NIE, beinahltet aber was sich der Gesetzgeber gedacht hat. aus der Formulierung, dass der zweite Elternteil auch an Pflege und Erziehung teilhaben soll, ist die Notwendigkeit von Esatzkontakten abzuleiten.


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