H.-Hosek: Skeptisch, Eltern gemeinsame Obsorge zu verordnen

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Karin
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H.-Hosek: Skeptisch, Eltern gemeinsame Obsorge zu verordnen

Beitragvon Karin » 17.06.2010, 07:58

"Ich bin sehr skeptisch, die gemeinsame Obsorge geschiedenen Eltern staatlich aufzuzwingen", sagte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek in Reaktion auf die heute präsentierten Pläne von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner. Bei jenen Eltern, die das bei der Scheidung miteinander vereinbaren, funktioniere es gut. Das es immer mehr freiwillige gemeinsame Obsorgen gebe sei sehr erfreulich. "Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass jenen Eltern, die sich bis aufs Blut streiten, mit Zwang verordnet wird, dass sie sich gemeinsam ums Kind kümmern müssen. Wo nur Streit vorherrscht, kann doch eine verpflichtende gemeinsame Obsorge nicht gut fürs Kind und damit keine Lösung sein. Hier braucht es jedenfalls eine Abkühlphase", so Heinisch-Hosek weiter.

Die Ministerin machte deutlich, dass es im Familienrecht bei Obsorge, Besuchsrecht und Unterhaltsfragen Verbesserungsbedarf gebe. Darüber soll nächste Woche bei einer parlamentarischen Enquete ein Diskussionsprozess starten.

Für Heinisch-Hosek sei klar, dass generelle Lösungen, die die Politik verordne, gerade in diesem Bereich sehr sorgsam abzuwägen seien. Denn jede Scheidung sei mit viel Schmerz und Leid für alle Beteiligten verbunden und jede Trennung sei schwierig. "Am schwersten haben es meistens die Kinder und deren Wohl muss im Mittelpunkt stehen, wenn wir über Verbesserungen im Familienrecht reden", so die Ministerin weiter. Aus ihrer Sicht werde in der Debatte zu viel über die Väter und deren Rechte geredet. Die Kinder würden zu wenig im Mittelpunkt stehen und es sei auch kaum beleuchtet, wie schwer es Frauen nach Scheidungen haben.

Die Ministerin sagte zum Besuchsrecht: "Ja, es gibt die Väter, die ihre Kinder nicht sehen dürfen und nur für sie zahlen. Und ja, es gibt wahrscheinlich noch mehr Väter, die ihre Kinder nicht abholen, wenn es vereinbart ist". Daher könne sich sich beim Besuchsrecht eine verpflichtende Mediation für die Eltern vorstellen.

http://www.frauen.bka.gv.at/site/6608/default.aspx
Liebe Grüße
Karin

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Re: H.-Hosek: Skeptisch, Eltern gemeinsame Obsorge zu verordnen

Beitragvon Angelika » 17.06.2010, 14:01

Es ist hoch an der Zeit, dass diese Dame ihre längst veralteten pseudopsychologischen Erkenntnisse überarbeitet und sich den zahlreichen modernen Studien über die gemeinsame Obsorge iZm Kindeswohl zuwendet oder zumindest Statistiken und Untersuchungen zu lesen und verstehen beginnt. :roll:
Auch die ständige argumentative Verknüpfung speziell der SPÖ-Frauen von Besuchsrecht/Unterhalt ist mehr als entbehrlich und legt die verräterische Gesinnung - Kinderrechte gegen Geld aufzuwiegen - offen.

Sie labert über "Väterrechte" und hat offensichtlich verschlafen, dass Besuchsrecht erstens gem. MRK auch ein Recht des Kindes ist und zweitens dieses Recht in Österreich seit 9 Jahren (!) als Recht des Kindes verankert ist (KindRÄG 2001).

Geschlechterkampf war gestern, Frau Ministerin!
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guevara
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Re: H.-Hosek: Skeptisch, Eltern gemeinsame Obsorge zu verordnen

Beitragvon guevara » 17.06.2010, 16:00

@angelika
gratulation zu ihren deutlichen worten!

diesem statement muss wohl jeder zustimmen, dem es vorrangig um das wohl und recht des kindes geht.
nur bedauerlich, dass den unqualifizierten äusserungen von h.-h. so viel mediale beachtung geschenkt wird, während die inhalte des familienberichts kaum erwähnung finden.
wenn ich da an den kürzlich veröffentlichten frauenbericht denke... :mrgreen:
Nur wer seine Rechte kennt, kann diese auch einfordern.

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Re: H.-Hosek: Skeptisch, Eltern gemeinsame Obsorge zu verordnen

Beitragvon Angelika » 18.06.2010, 11:38

http://diepresse.com/home/recht/rechtallgemein/573673/index.do?_vl_backlink=/home/recht/index.do
Die Vorsitzende der Familienrichter: "Wir sprechen uns dafür aus, dass es nach der Scheidung eine automatische gemeinsame Obsorge gibt. Und zwar im Gegensatz zur jetzigen Rechtslage ohne Festlegung eines Hauptaufenthaltsortes des Kindes, sodass es wirklich eine gemeinsame Obsorge ist.
Die Aufhebung der gemeinsamen Obsorge soll nur mehr bei einem wichtigen Grund erfolgen."
Das ist für mich persönlich einer der wichtigsten Punkte: Dass die begründungslose (!) Beendigung der gemeinsamen Obsorge nicht mehr möglich ist.
Das Ende der gemeinsamen Elternschaft und somit der Entzug der Erziehungsberechtigung für einen Elternteil soll und darf meines Erachtens nur aus wichtigen und nachgewiesenen Gründen erfolgen. Es ist unerträglich, dass der Entzug der Elternrechte erstens begründungslos beantragt werden kann und zweitens dann automatisch folgen muss.

Dass es in (etwa durch Gutachter und/oder Instanzenzug festgestellten) hochproblematischen Konstellationen keine gemeinsame Obsorge geben wird, ist selbstverständlich und bedarf mE keiner Diskussion. Das wird weder von den Experten noch den politischen Entscheidungsträgern in Frage gestellt.
Daher ist jede Ansage von etwa Heinisch-Hosek, dass die gemeinsame Obsorge in allen Fällen zwangsverordnet wird, reine Angstmache und Polemik.
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http://www.dialogfuerkinder.at


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