Gerichtliche Überwachung des Kindesvermögens

papa
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Gerichtliche Überwachung des Kindesvermögens

Beitragvon papa » 01.11.2018, 14:39

Liebes Forum,

vorgestern habe ich die negative Entscheidung erster Instanz im Obsorgeverfahren über meinen nun 14-jährigen Sohn erhalten. Nach anfänglicher Schockstarre über unterlassene Zeugenanhörungen, falschen Tatsachenfeststellungen, einseitigen Beweiswürdigungen und haarsträubenden Begründungen habe ich ein paar Fragen an das Forum, zumal ich anwaltlich noch nicht vertreten bin.

Zuerst die Geschichte:

Da die jahrelange Unterversorgung meines Sohnes mit Naturalunterhalt immer schlimmer wurde (verschlissene, unpassende Kleidung, fehlende Ausrüstungen, etc.), hatte ich das der Familienrichterin beim Sprechtag mitgeteilt und ihr einen Antrag auf gerichtliche Überwachung des Vermögens übergeben. Sie legte mir nahe, die Obsorge zu beantragen, worauf sie den Antrag gleich protokollierte.

Ich legte in der Folge u.a. eindeutige Beweise über die missbräuchliche Verwendung einer Unterhaltsnachzahlung für eine Indienreise vor, Fotos von der Garderobe meines Sohnes, benannte Zeugen die belegen konnten, dass die KM den Unterhaltsmissbrauch schon seit langer Zeit praktizierte etc. Anstatt ihre drei Kinder zu versorgen investierte sie in Eigentumswohnungen für ihre Altersvorsorge , Selbstfindungsreisen etc.

Im folgenden Verfahren wurde mein Sohn von der KM natürlich so bearbeitet, dass er aus Angst vor ihr aber auch aus Sorge um die Zukunft seiner Mutter nicht die für ihn richtigen Aussagen fand. Da er in seinem Alter selbst entscheiden kann, wird es wohl dabei bleiben, dass er weiterhin bei seiner Mutter lebt. Da der KM jetzt bestätigt wurde, dass es vollkommen egal ist, wofür sie den Unterhalt verwendet, wird sie wohl weiterhin nach Indien reisen, obwohl sie nur eine minimale Berufsunfähigkeitspension bezieht …

Meine Fragen:

1. Eine wesentliche Begründung des Gerichtes war, dass die hohen Wohnungskosten der KM (€ 900,- für ein altes Haus) alleine schon nur dem Kindesunterhalt dienen. Meine Info ist die, dass es Grenzen für den anrechenbaren Wohnungsaufwand gibt (z.B. 25% des Unterhaltes) und es nicht so ist, dass der nach Abzug der anteiligen Wohnungskosten verbleibende Betrag dem Kind zu Gute kommen muss. Wie sieht die Judikatur tatsächlich aus?

2. Ist es bei der Frage, ob Zeugen geladen werden, zulässig, dass sich die Richterin nur auf eigene Vermutungen stützt, was diese Zeugen aussagen würden? Zeugen, die beweisen könnten, dass die unhaltbaren Aussagen der KM bei der PV falsch waren und dass sie den Unterhaltmissbrauch schon jahrelang praktiziert, wurden somit nicht geladen. Die Behauptungen der KM wurden hingegen ohne irgendwelche Belege für wahr erkannt.

3. Ist es bei einem mtl. Unterhalt von € 755,- für einen Jugendlichen wirklich zumutbar, wenn er nur € 2,- Taschengeld pro Woche, zerschlissenes Flohmarktgewand, kein Geld für den Friseur etc. bekommt? Laut Richterin alles nicht entscheidungswesentlich.

Bitte um baldige Rückmeldungen, ich muss mich bald entscheiden, ob ein Rekurs überhaupt sinnvoll ist. Mir geht es nur darum, dass mein Sohn bekommt, was ihm zusteht.

Vielen Dank im Voraus

gualterius
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Re: Gerichtliche Überwachung des Kindesvermögens

Beitragvon gualterius » 03.11.2018, 16:03

Hallo!
Ich bin nur Praktiker und kein Jurist und antworte ohne Emotion, nach Stand meines Wissens, aus dem Forum heraus.

Zur Vorgeschichte: Keine gemeinsame Obsorge beantragen. Die gemeinsame Obsorge ist quasi wertlos und das Verfahren dauert nur lange. Unterhalt gehört ins Unterhaltsrecht. Kontakt ins Kontaktrecht. Verschiedene Verfahren, und vermutlich sogar verschiedene Richter.
Zu 1. Ist hier gemeint, dass das Haus allein schon den Unterhalt verschlingen darf? Er diene ja eben auch der Unterkunft des Kindes...? Dazu: Die KM darf den Unterhalt verwenden, wie sie will. Begründungen sind nur zum Schein. Esoterische Reisen/Yogakurse dienen dem Wohl der Mutter. Das Wohl der Mutter dient dem Wohl des Kindes. Das ist die Praxis.
Zu 2. In Außerstreitverfahren gibt es keine Beweise. Und wenn es Beweise gibt, können sie von Richtern "frei" gewürdigt werden.
Zu 3. Anspruch auf Taschengeld gibt es meines Wissens nicht.

Völlige Verwahrlosung (das wäre Obsorgerecht) wird man der Mutter mit der Flohmarktware wahrscheinlich nicht vorwerfen können. Zu Rekurssaussichten - meiner Vermutung nach, kann man nur dem Kind demonstrieren, dass man sich für es interessiert - Dr Tews abwarten. Sollte es eilen, Väter ohne Rechte oder Männerpartei/Männerservice kontaktieren. Zu finden im Internet.


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