Gemeinsame Obsorge / Alleinige Obsorge - Besuchsrecht

wawa
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Gemeinsame Obsorge / Alleinige Obsorge - Besuchsrecht

Beitragvon wawa » 02.05.2010, 22:07

Ausgangslage: Scheidung (zum Zeitpunkt der Scheidung ist das Kind 6 Monate), Vereinbarung gemeinsame Obsorge, hauptsächlicher Aufenthalt des Kindes bei der Kindsmutter, keine gerichtliche Besuchsregelung, einvernehmliche-außergerichtliche Regelung des Besuchsrechts des Vaters: jedes 2. Wochenende von Freitag Nachmittag bis Sonntag Abend + ein Abend pro Woche (ca. 2-3h).

Zwei Jahre später will die Kindsmutter Antrag auf alleiniges Sorgerecht stellen. Meines Wissens muss aufgrund dieses Antrages das Gericht die gemeinsame Obsorge aufheben und einem Elternteil das alleinige Sorgerecht zusprechen - was in der Regel wohl die Kindsmutter sein wird. Inwiefern könnte das Gericht die Besuchsmöglichkeiten des Vaters einschränken? Die bisherigen Regelungen funktionierten zwei Jahre zum Wohle des Kindes, da es dadurch einen vernünftigen Bezug zum Vater herstellen konnte - ist es wahrscheinlich, dass das Besuchsrecht durch eine gerichtliche Entscheidung eingeschränkt wird? Gibt es Chancen, dass der Kindsvater das alleinige Sorgerecht zugesprochen bekommt, wenn sich die Mutter nichts zu Schulden kommen hat lassen?

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Re: Gemeinsame Obsorge / Alleinige Obsorge - Besuchsrecht

Beitragvon Nachfolgefrau » 02.05.2010, 22:20

Das Besuchsrecht hat mit der Obsorgefrage NULL zu tun. Wir empfehlen allerdings immer (!), ein detailliertes gerichtlich festgesetztes Besuchsrecht anzustreben, da nur dieses durchsetzbar weil für beide Elternteile verbindlich ist.
Merke: Eine private Vereinbarung existiert rechtlich nicht -> so ein Vater hat streng genommen kein Besuchsrecht.

Wenn die Mutter die für sie nachteilige (!) alleinige Obsorge anstrebt, muss das Gericht die Obsorge zuteilen. Natürlich kann auch der Vater zeitgleich einen Antrag auf alleinige Obsorge stellen - dann entscheidet das Gericht in einem Obsorgeverfahren.

Ob diesem Vater hier die Obsorge zukommen kann, kann hier keinesfalls prognostiziert werden.
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Re: Gemeinsame Obsorge / Alleinige Obsorge - Besuchsrecht

Beitragvon wawa » 03.05.2010, 11:28

Erstmal vielen Dank für Antwort.

Stimmt, das Besuchsrecht hat mit der Obsorge nichts am Hut - hab das zusammen gemischt. Meine eigentliche Frage wäre gewesen, ob man aus der gerichtlichen Praxis Schlüsse ziehen kann, wie in diesem Fall eine gerichtliche Besuchsregelung ausfallen würde? Ob das Gericht eher dazu tendiert an der bisherigen - unverbindlichen - "Regelung" festzuhalten oder auch eine dratische Reduktion des derzeit - faktisch bestehenden - Besuchsrecht festlegen kann / wird?

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Re: Gemeinsame Obsorge / Alleinige Obsorge - Besuchsrecht

Beitragvon wawa » 03.05.2010, 11:28

Und inwieweit ist die alleinige Obsorge für die Mutter nachteilig?

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Re: Gemeinsame Obsorge / Alleinige Obsorge - Besuchsrecht

Beitragvon Nachfolgefrau » 03.05.2010, 11:30

zB weil sie Unterhalt nur mehr 3 Jahre rückwirkend einfordern kann statt "ewig zurück", oder weil im Falle ihres Todes/Koma etc. das Gericht entscheidet, zu wem das Kind kommt und sie bei dieser Entscheidung nicht mitbestimmen kann.
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Re: Gemeinsame Obsorge / Alleinige Obsorge - Besuchsrecht

Beitragvon ein mann und vater » 03.05.2010, 11:31

wawa hat geschrieben:Erstmal vielen Dank für Antwort.

Stimmt, das Besuchsrecht hat mit der Obsorge nichts am Hut - hab das zusammen gemischt. Meine eigentliche Frage wäre gewesen, ob man aus der gerichtlichen Praxis Schlüsse ziehen kann, wie in diesem Fall eine gerichtliche Besuchsregelung ausfallen würde? Ob das Gericht eher dazu tendiert an der bisherigen - unverbindlichen - "Regelung" festzuhalten oder auch eine dratische Reduktion des derzeit - faktisch bestehenden - Besuchsrecht festlegen kann / wird?

wenn von einer bisherig gut funktionierenden kontakthäufigkeit abgegangen werden soll, wird man das gut argumentieren müssen. :wink:
ich diskutiere nicht mit dummköpfen. sie ziehen dich zuerst runter auf ihr niveau und dort haben sie dann mehr erfahrung.

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Re: Gemeinsame Obsorge / Alleinige Obsorge - Besuchsrecht

Beitragvon GDS » 13.01.2016, 19:55

ein mann und vater hat geschrieben:
wawa hat geschrieben:"wenn von einer bisherig gut funktionierenden kontakthäufigkeit abgegangen werden soll, wird man das gut argumentieren müssen. :wink:
"

Diesbezüglich habe ich die Frage, was als Argument bzw Gegenargument für so einen Abgang, also einen Abgang von der bisherigen Kontakthäufigkeit, eingebracht werden kann. Ich habe nämlich das Problem, das derzeit eine funtionierende Kontakthäufigkeit von mind 14 Tagen im Monat besteht, die Mutter hat allerdings einen Antrag auf Kontaktregelung eingebracht und wünscht sich nur mehr, dass ich ein Kontakt zu meinen Kind von nur 10 Tagen im Monat habe. Hintergrund ist, dass es bei ihren Freundinen, die sich auch scheiden haben lassen, es nicht üblich ist, dass ein Vater soviel Kontakt zu seinem Kind hat und, weil sie Herr über eine über die 10 Tage/M hinausgehende Kontakthäufigkeit sein möchte und sobald es ihr nicht mehr genehm ist, mich entsorgen und auf die maximale Kontakthäufigkeit von 10 Tagen bestehen.
Wäre sehr dankbar für allfällige Tipps in dieser Angelegenheit.

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Re: Gemeinsame Obsorge / Alleinige Obsorge - Besuchsrecht

Beitragvon Angelika » 13.01.2016, 20:51

Wie alt ist denn das betroffene Kind und wie lange besteht die bisherige funktionierende Regelung?
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Re: Gemeinsame Obsorge / Alleinige Obsorge - Besuchsrecht

Beitragvon GDS » 18.01.2016, 18:42

Angelika hat geschrieben:Wie alt ist denn das betroffene Kind und wie lange besteht die bisherige funktionierende Regelung?


Unsere Tochter ist 5 und die bestehende Praxis besteht seit März 2015

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Re: Gemeinsame Obsorge / Alleinige Obsorge - Besuchsrecht

Beitragvon Angelika » 19.01.2016, 15:54

Nun, ich verstehe die Frage nicht so recht. Sie haben ja kein Problem. Das Problem hat vielmehr die "Gegenseite", nämlich zu begründen, warum die bisher erfolgreich geübte Praxis plötzlich dem Kindeswohl widersprechen soll...
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Re: Gemeinsame Obsorge / Alleinige Obsorge - Besuchsrecht

Beitragvon GDS » 01.02.2016, 11:26

Danke für die Antwort. Allerdings hat die Praxis anderes gezeigt. Der Entscheidung der Richterin zufolge, "hat der Lebensmittelpunkt eines Kindes bei der Mutter zu sein und ein Kind kann als Lebensmittelpunkt nur in einem Haushalt haben.
Sollte auch in Österreich das Doppelresidenzmodell eingeführt werden, dann nur so, dass die Eltern jede 3 Wochen ihren Haushalt wechseln. Ein gleichteiliges Betreuungsverhältnis oder gar das Doppelreisidenzmodell widerspricht dem Kindeswohl. Das sei durch die Rectsprechung und den bisherigen psychologischen Studien ausreichend belegt". Der Richterin hat es nicht interessiert, dass in der gelebten Praxis seit Auflösung der ehelichen Gemeinsachft (also vor 1 Jahr) das Kind zwischen 14 und 17 Tagen im Monat bei mir ist. Die Mutter wollte eine Reduktion des Kontaktes und sie hat es erhalten.

In diesem Sinne und anhand der von mir erlebten Praxis kann ich nur sagen, dass die Entscheidung des VfGH G 152/2015 - 20 eigentlich für den Hugo war! Sie schafft weder Rechtssicherheit noch hat sie eine Grundlage künftige Entscheidungen geschafft. Sie ist eine typische „österreichische Lösung“. Richter/innen haben weiterhin einen enormen "Ermessensspielraum".
Richter/innen, Familiengerichtshilfe und Psychologen halten aber an den alten Besuchsrechtsregelungsmodellen fest, weil hier - auch wenn antiquiert - ausreichend Rechtsprechung und psychologische Studien vorhanden sind, womit sie ihre Entscheidungen begründen können. Ihre Entscheidungen machen sie sodann quasi unanfechtbar, indem sie als Deckel das Kindeswohl draufsetzen.
Es ist egal, wie vorher, also während aufrechter Ehe, die Betreuung des Kindes wahrgenommen wurde. Wenn ein Elternteil (meistens die Mutter) dem anderen Elternteil kein gleichteiliges Betreuungsrecht einräumen will, hat dieser andere Elternteil keine Chance! Denn mangels gegenteiliger Rechtsprechung und in Österreich anerkannte psychologische Studien könnte eine anderslautende Entscheidung erfolgreich angefochten werden, und kein Richter/in bzw. Sachverständige sieht es gern, wenn ihre Entscheidung erfolgreich angefochten wird.
Also, solange das Doppelresidenzmodell nicht als Standardmodell gesetzlich normiert ist und ein Abgang hiervon ausdrücklich begründet werden muss, ist der Elternteil, in dessen Haushalt das Kind nicht hauptsächlich betreut wird, auf das Goodwill des anderen Elternteiles (meistens die Mutter) angewiesen und bedarf einer guten Geschicklichkeit um auf den Gerichtsbazar das „Meiste an Kontakttagen“ herausholen zu können. Im Lichte dessen ist es auch egal, dass im restlichen Europa (explizit in England, Schweden, Frankreich, Dänemark, Tschechien, Italien, Belgien, Deutschland, Spanien) die Doppelresidenz als Standardmodell eingerichtet ist und der Europarat dies auch empfiehlt. In Österreich wird insb. in Richterkreisen die breite Meinung vertreten, dass das Doppelresidenzmodell dem Kindeswohl widerspricht und der Lebensmittelpunkt eines Kindes bei der Mutter zu sein hat (Ausnahme: sie ist drogensüchtig und gefährdet offensichtlich das Kind).
Folglich betrifft die Entscheidung des VfGH ausschliesslich den konkreten Fall und hier war das Doppelresidenzmodell auch nur möglich, weil die Mutter sich dafür ausgesprochen hat.

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Re: Gemeinsame Obsorge / Alleinige Obsorge - Besuchsrecht

Beitragvon Angelika » 04.02.2016, 15:05

Vielleicht hat Dr. Tews zu der neuen Lage etwas zu sagen?
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Re: Gemeinsame Obsorge / Alleinige Obsorge - Besuchsrecht

Beitragvon dgt » 04.02.2016, 18:11

Angelika hat geschrieben:Vielleicht hat Dr. Tews zu der neuen Lage etwas zu sagen?

Ich kann und will sehr wenig dazu sagen.
Zum einen habe ich nicht die Zeit mir viele verbreitete Behauptungen rechtlch zu überprüfen, die daraufhinauslaufen, dass - übertrieben - quasi überall in Europa nur noch die Doppelresidenz gelebt wird. Ich bin gut ausgelastet mit den Problemen des Ö. Familienrechts.

Ich bin auch schon ziemlich müde zum x-ten Male Vorurteile und Plattheiten gegenüber der Justiz und wem auch immer zu widersprechen.


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