Geschwister

ado
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Geschwister

Beitragvon ado » 19.11.2015, 14:21

Vor 1.5 Jahre haben wir 3 Geschwister aus dem Ausland adoptiert (3 Erw. Geschwister, sowie biologische Eltern und weiter Familie leben noch dort). Damals 13, 7 und 4 Jahre alt. Es wurde uns nicht mitgeteilt, dass das Älteste stark psychisch gestört ist. Die 6 Monate in unserem Haushalt zeigte sie nur pathologisches Verhalten inkl. Gewalt gegenüber den jüngere Geschwister, uns (und den Hund). Wir haben das Jugendamt um Hilfe gebeten. In der Zwischenzeit war sie beim Jugend-Psychiater in Behandlung. Nach einen längeren Aufenthalt im psychiatrischen Krankenhaus bekam sie die Diagnosen: reaktive Bindungsstörung F94.1 und F92 Kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen. Danach haben wir beschlossen die volle Erziehung am Jugendamt zu übergeben. Sie wohnt seit dem in einer WG. Wir haben mit den Kindern Besuche in der WG ausprobiert. Diese waren sehr belastend für die kleinen Kinder und sie wollen sie nicht mehr besuchen. Wir haben das Jugendamt hierüber informiert. Sie sagten, sie seien verpflichtet über das Gericht ein Besuchskontakt zu forcieren. Das Älteste in der WG äußert selbst keine Wünsche die Kinder zu sehen, aber lehnt nicht ab wenn das Jugendamt diese anstrebt, weil sie davon profitieren könnte.

Das Gericht hat das Jugendamt mit einer Stellungnahme beauftragt. Wir wurden mit den Kleinen eingeladen. Das Meeting war äußerst unprofessionell, die Sozialbearbeiterinnen wollten die Fakten nicht hören. Die Stellungnahme sieht ein Besuchskontakt vor, obwohl das Jugendamt vorher selbst auf Grund von Gefährdung der kleinen Kinder die Trennung vorgeschlagen hat. Jetzt warten wir auf Reaktion vom Gericht.

Wir wissen durch Erfahrung, dass Besuche dem Wohl der jüngeren Geschwister gefährdet und überhaupt nicht dienen. Jeder Besuch in der WG war re-traumatisierend und verursachte ernste Regression bei den Kindern.

Unser Antrag zur Auflösung der Adoption mit dem Ältesten wurde von uns beim Gericht im Ausland eingereicht.

Welche Schritte können wir nehmen, damit die Rechte unsere 2 Kinder eingehalten werden?

Mit freundlichem Gruß,

Ado

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Re: Geschwister

Beitragvon dgt » 19.11.2015, 23:33

ado hat geschrieben:Vor 1.5 Jahre haben wir 3 Geschwister aus dem Ausland adoptiert (3 Erw. Geschwister, sowie biologische Eltern und weiter Familie leben noch dort). Damals 13, 7 und 4 Jahre alt. Es wurde uns nicht mitgeteilt, dass das Älteste stark psychisch gestört ist. Die 6 Monate in unserem Haushalt zeigte sie nur pathologisches Verhalten inkl. Gewalt gegenüber den jüngere Geschwister, uns (und den Hund). Wir haben das Jugendamt um Hilfe gebeten. In der Zwischenzeit war sie beim Jugend-Psychiater in Behandlung. Nach einen längeren Aufenthalt im psychiatrischen Krankenhaus bekam sie die Diagnosen: reaktive Bindungsstörung F94.1 und F92 Kombinierte Störung des Sozialverhaltens und der Emotionen. Danach haben wir beschlossen die volle Erziehung am Jugendamt zu übergeben. Sie wohnt seit dem in einer WG. Wir haben mit den Kindern Besuche in der WG ausprobiert. Diese waren sehr belastend für die kleinen Kinder und sie wollen sie nicht mehr besuchen. Wir haben das Jugendamt hierüber informiert. Sie sagten, sie seien verpflichtet über das Gericht ein Besuchskontakt zu forcieren. Das Älteste in der WG äußert selbst keine Wünsche die Kinder zu sehen, aber lehnt nicht ab wenn das Jugendamt diese anstrebt, weil sie davon profitieren könnte.

Das Gericht hat das Jugendamt mit einer Stellungnahme beauftragt. Wir wurden mit den Kleinen eingeladen. Das Meeting war äußerst unprofessionell, die Sozialbearbeiterinnen wollten die Fakten nicht hören. Die Stellungnahme sieht ein Besuchskontakt vor, obwohl das Jugendamt vorher selbst auf Grund von Gefährdung der kleinen Kinder die Trennung vorgeschlagen hat. Jetzt warten wir auf Reaktion vom Gericht.

Wir wissen durch Erfahrung, dass Besuche dem Wohl der jüngeren Geschwister gefährdet und überhaupt nicht dienen. Jeder Besuch in der WG war re-traumatisierend und verursachte ernste Regression bei den Kindern.

Unser Antrag zur Auflösung der Adoption mit dem Ältesten wurde von uns beim Gericht im Ausland eingereicht.

Welche Schritte können wir nehmen, damit die Rechte unsere 2 Kinder eingehalten werden?

Sinnvollerweise kann nur ein kinderpsychologisches Gutachten eingeholt werden.

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Re: Geschwister

Beitragvon ado » 20.11.2015, 11:53

Danke für die rasche Antwort.

Sollen wir hierzu beim Gericht einen Antrag auf ein Kinderpschychologischen Gutachten stellen?

Oder sollen wir dieses selbst bei einer Kinderpsycholog organisieren und das Gericht vorlegen?
Würde dieses dann vom Gericht akzeptiert wurden?

Wie ändern sich die Rechte (in Besonderen bzg. Besuchsrechte) von unseren 2 Kindern nach Auflösung der Adoption mit dem Älteste? Entsteht dann ein speziellen Schutz, wie z.B. vor leiblichen Eltern, Datenschutz, etc.?
(Wir erinnern daran, dass es mehrere Verwandten im Nachbarland gibt).

Sozialarbeiterinnen der JWF haben uns versucht zu irreleiten, dass Geschwister gleiche Kontaktrechte haben wie Elternteile bei einer Scheidung. Können wir damit rechtlich was machen?

Mit freundlichem Gruß,

Ado

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Re: Geschwister

Beitragvon dgt » 21.11.2015, 13:12

ado hat geschrieben:Sollen wir hierzu beim Gericht einen Antrag auf ein kinderpschychologisches Gutachten stellen?

Ja
ado hat geschrieben:Oder sollen wir dieses selbst bei einem Kinderpsychologen organisieren und dem Gericht vorlegen?
Würde dieses dann vom Gericht akzeptiert wurden?

Nein, private Gutachten haben kaum eines wesentlichen Wert vor Gericht.

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Re: Geschwister

Beitragvon ado » 22.11.2015, 15:16

Danke schön.

Auf Grund davon, dass eine Adoptionsauflösung hier selten (nie) vorkommt, konnte uns keiner folgender Frage beantworten. Wir wären mit einer Antwort dieser bereits gepostete Frage sehr dankbar. Theoretisch ist das Älteste danach ein "Fremder" und die Adoption ist vertraulich.

"Wie ändern sich die Rechte (in Besonderen bzg. Besuchsrechte) von unseren 2 Kindern nach Auflösung der Adoption mit dem Älteste? Entsteht dann ein speziellen Schutz, wie z.B. vor leiblichen Eltern, Datenschutz, etc.?"

MfG, Ado

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Re: Geschwister

Beitragvon dgt » 22.11.2015, 21:20

ado hat geschrieben:Danke schön.

Auf Grund davon, dass eine Adoptionsauflösung hier selten (nie) vorkommt, konnte uns keiner folgender Frage beantworten. Wir wären mit einer Antwort dieser bereits gepostete Frage sehr dankbar. Theoretisch ist das Älteste danach ein "Fremder" und die Adoption ist vertraulich.

"Wie ändern sich die Rechte (in Besonderen bzg. Besuchsrechte) von unseren 2 Kindern nach Auflösung der Adoption mit dem Älteste? Entsteht dann ein speziellen Schutz, wie z.B. vor leiblichen Eltern, Datenschutz, etc.?"

ich kann die Frage ohne umfassende Recherche nicht beantworten. Ich habe aber Zweifel, dass das Geschwisterkind danach wirklich fremd ist.

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Re: Geschwister

Beitragvon ado » 27.11.2015, 20:06

Selbstverständlich bleibt die leibliche Familie immer die leibliche Familie, aber rechtlich gesehen sind wir jetzt laut offiziellen Geburtsurkunden die einzige Eltern der Kinder und gibt es also keinen weiteren formellen Bezug zu irgendwem Anderen (auch nicht zu den leiblichen Eltern). Aus der offiziellen Dokumenten kann Niemanden konkludieren, dass die Kinder nicht unserer (geborenen) Kinder sind, zur Schutz der Kinder (formell ist nicht erkennbar, dass sie adoptiert wurden).

Wir vermuten, dass nach Auflösung der Adoption, wenn das älteste Kind wieder zurückkehrt nach der ursprüngliche Geburtsurkunde (und damit zur ursprüngliche Familienbezug, inkl. Erbrecht), rechtlich für unsere Familie fremd ist, genauso wie alle andere Mitglieder der leibliche Familie.

Könnte dieses stimmen?

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Re: Geschwister

Beitragvon dgt » 28.11.2015, 10:43

ado hat geschrieben:Selbstverständlich bleibt die leibliche Familie immer die leibliche Familie, aber rechtlich gesehen sind wir jetzt laut offiziellen Geburtsurkunden die einzige Eltern der Kinder und gibt es also keinen weiteren formellen Bezug zu irgendwem Anderen (auch nicht zu den leiblichen Eltern). Aus der offiziellen Dokumenten kann Niemanden konkludieren, dass die Kinder nicht unserer (geborenen) Kinder sind, zur Schutz der Kinder (formell ist nicht erkennbar, dass sie adoptiert wurden).

Wir vermuten, dass nach Auflösung der Adoption, wenn das älteste Kind wieder zurückkehrt nach der ursprüngliche Geburtsurkunde (und damit zur ursprüngliche Familienbezug, inkl. Erbrecht), rechtlich für unsere Familie fremd ist, genauso wie alle andere Mitglieder der leibliche Familie.

Könnte dieses stimmen?
kann durchaus so sein.
ABER: beachten Sie das das Gericht auch für Fremde ein Kontaktrecht einräumen kann, umso mehr wohl für wegadoptierte Geschwister:
ABGB § 188 (1) Zwischen Enkeln und ihren Großeltern gilt § 187 entsprechend. Die persönlichen Kontakte der Großeltern sind jedoch auch so weit einzuschränken oder zu untersagen, als sonst das Familienleben der Eltern (eines Elternteils) oder deren Beziehung zu dem Kind gestört würde.
(2) Wenn persönliche Kontakte des minderjährigen Kindes mit einem hiezu bereiten Dritten dem Wohl des Kindes dienen, hat das Gericht auf Antrag des Kindes, eines Elternteils oder des Dritten, sofern dieser zu dem Kind in einem besonderen persönlichen oder familiären Verhältnis steht oder gestanden ist, die zur Regelung der persönlichen Kontakte nötigen Verfügungen zu treffen. Solche Verfügungen hat es auf Antrag des Jugendwohlfahrtsträgers oder von Amts wegen zu treffen, wenn ansonsten das Kindeswohl gefährdet wäre.

Daher wird fremd alleine nicht reichen um dem Kontaktrecht auszukommmen.

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Re: Geschwister

Beitragvon ado » 05.12.2015, 12:21

Selbstverständlich war der Grund für das Einstellen der Kontakte, dass das älteste Kind gefährlich war und einen negativen Einfluss auf die beiden traumatisierten Jüngeren hatte. Wir verstehen, dass es rechtlich keinen Schutz vor „Fremden“ gibt?

Das Gericht immer Besuche zustimmt?
(diagnostizierte psychiatrische Störungen, die Gewalt, der Konsum von MJ der **zensiert** inkl. Kinderpornografie, etc. spielen keine Rolle?)

Unsere erste Frage: es gibt in Österreich keine Psychologen, die sich in Adoption (in Besonderen von älteren Kindern) spezialisiert haben, wegen wenige (fast keine der älteren Kinder) Adoptionen. Das System ist hauptsächlich ein Pflegeschaftsystem (nicht Adoption), was ein großer Unterschied ist. Würde das Gericht dann für das Gutachten einen Psychologe aus dem Ausland bestellen?

Und zweite Frage: Die JWF hat den Antrag auf Besuchsrecht gestellt. Danach hat das Gericht die JWF beauftragt einen Stellungsnahme unserer Situation abzugeben (die gleiche Bezirksstelle). Selbstverständlich würden sie nie gegen ihren eigenen Antrag Stellung nehmen. Ein klarer Interessenskonflikt zwischen JWF und unserer Kinder (von uns Eltern vertreten). Wie kann das Gericht diese Stellungsnahme als objektiv betrachten? Was können wir als Nächstes machen?

mfg


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