Wille der Kinder 11 Jahre

oesi2015
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Wille der Kinder 11 Jahre

Beitragvon oesi2015 » 21.08.2015, 18:57

Liebes Forum!

Ich darf mich an Euch wenden mit der Frage, wie die derzeitige Situation beim Besuchsrecht für 11-jährige Kinder ist.

Die letzten Jahre haben gut funktioniert, Besuchskontakte haben regelmäßig stattgefunden, ich, die KM, bin dem KV, der im Ausland lebte, immer sehr entgegen gekommen und habe die Kinder 1x pro Monate 200 km durch Österreich geführt, Programm gestaltet und wir haben gemeinsam die Besuchskontakte erlebt. Die Kinder haben sich sicher und wohl gefühlt, zumal sie ihren Vater immer auch wieder aggressiv und auch drohend und auch Gewalt anwendend erlebt haben (Hand umdrehen, sämtliche Sachen wegnehmen, alleine durch den Welt zurück zum Auto schicken etc.).

Da mir wichtig war, dass sie ihre Wurzeln kennen, habe ich dennoch am Kontakt festgehalten und den Kontakt ermöglicht. Die Kinder sind 11 Jahre alt, ich habe immer viel Überredungskunst aufwenden müssen, damit sie überhaupt ihren Vater sehen wollen, da Freunde und Freizeit ihnen wichtiger sind.

Jetzt ist der KV zurück in Österreich und fordert 14-tägig alleiniges Besuchsrecht ein - die Kinder waren bis dato keine 10 Minuten mit ihm alleine, haben keine persönliche Beziehung zu ihrem Vater und wollen ihn auc, wenn überhaupt, nur mit mir zusammen besuchen. Übernachten würden sie nie bei ihm.

Der KV fordert es, die Kinder sagen ihm direkt, entweder so wie bisher oder gar nicht. Sie sind argumentativ sehr stark, sprechen von Kinderrechten, ihren Rechten gehört zu werden und ihren Willen zu respektieren, ein Nein ist ein Nein.

Der Vater akzeptiert es nicht und hat angedroht sämtliche Psychologen, sämtliche rechtliche Schritte durchzuziehen, die möglich sind. Er will alleine auf die Kinder einwirken.

Mein Wissensstand ist ein paar Jahre her. Damals war es so, dass Kinder zwischen 10 und 14 Jahren vor Gericht gehört werden und gegen ihren Willen nicht zum Besuchskontakt gezwungen werden können. Wie ist die aktuelle Lage?

Ich bitte um Tipps und Infos.

Vielen lieben Dank
Sabine

oesi2015
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Re: Wille der Kinder 11 Jahre

Beitragvon oesi2015 » 21.08.2015, 20:43

ergänzen möchte ich noch, dass der Wille der Kinder dermaßen stark ist und sie diesen dem Vater gegenüber argumentativ extrem ausgeprägt geäußert haben, dass er sie hören soll, und ihre Meinung respektieren soll.
Er akzeptiert kein NEIN der Kinder und zwingt sie. Ich sehe im Brechen ihres Willens eine Gefährung des Kindeswohles - sie werden nicht gehört!

Habt ihr damit Erfahrung?

Angelika
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Re: Wille der Kinder 11 Jahre

Beitragvon Angelika » 22.08.2015, 02:25

Mein Wissensstand ist ein paar Jahre her. Damals war es so, dass Kinder zwischen 10 und 14 Jahren vor Gericht gehört werden und gegen ihren Willen nicht zum Besuchskontakt gezwungen werden können. Wie ist die aktuelle Lage?

Nicht ganz richtig. Erst ab 14 (Mündigkeit) kann gegen den Willen des Kindes kein Kontaktrechtsverfahren mehr geführt werden bzw. ein mündiger Mj nicht gezwungen werden.

Ab 10 muss ein Mj vom Gericht gehört werden. Wenn die Kinder sich tatsächlich und unbeeinflusst von "außen" stark sträuben, dann würden manche Gerichte vorerst ein "begleitetes Besuchsrecht" oder "Besuchscafe" probieren, wo die Kinder "unter Aufsicht" ihren Vater alleine kennenlernen und mit ihm Zeit verbringen können. Und/oder ein Sachverständigengutachten beantragen, und die Gründe erforschen, warum die Kinder ihren Vater nicht alleine sehen wollen.

In der heutigen Zeit wird von den meisten Gerichten alles dafür getan, einen (zumindest dürftigen) Kontakt zwischen Kindern und Elternteilen herzustellen, weil die psychologische Wichtigkeit mittlerweile vollkommen unbestritten ist. Seit einigen Jahren sehen das immer mehr Richter so und unterstützen die modernen Erkenntnisse auf diesem Gebiet.

Sie sind argumentativ sehr stark, sprechen von Kinderrechten, ihren Rechten gehört zu werden und ihren Willen zu respektieren, ein Nein ist ein Nein.
Nun, mit diesem Argument wäre ich vor Gericht vorsichtig. Schließlich ist es ganz normal und entspricht der Lebensrealität, dass bei 11jährigen trotz "NEIN" manchmal "JA" gelten muss, sprich Schule, Ernährung, die normalen Erziehungssachen halt. Es gibt gute Gründe, warum man Kindern dieses Alters ihren Willen nicht immer lassen kann (weil sie schlicht und einfach noch nicht reif genug sind, alle Konsequenzen ihres Wunsches abzuschätzen) und als Erziehungsberechtigte wäre ich vorsichtig, mit dem unverückbaren und daher durchzusetzenden Kindeswillen zu argumentieren. ;-)

Der Vater akzeptiert es nicht und hat angedroht sämtliche Psychologen, sämtliche rechtliche Schritte durchzuziehen, die möglich sind. Er will alleine auf die Kinder einwirken.
Er kann ein Verfahren starten und dort auch ein Sachverständigengutachten beantragen. Das ist auch üblich und wird sicher so gemacht (da werden dann meist alle befragt, auch in Kombis: Vater alleine, Mutter alleine, Kinder alleine, Vater+Kinder, Mutter+Kinder - alles ist möglich, nix is fix). 2 Instanzen, dann ist Schluß. "Alleine einwirken" kann er sicher nicht so, wie er sich das vorstellt. ;-)

Alles Gute!
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oesi2015
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Re: Wille der Kinder 11 Jahre

Beitragvon oesi2015 » 23.08.2015, 00:42

Vielen Dank für die Antwort!

Wie lange sind die Verfahrensdauern derzeit (Besuchsrecht plus SV Gutachten plus 2. Instanz)?

Gibt es eine Chance ein GA über den KV zu erwirken, um eine Soziopathie nachweisen zu können?

Werden Zeugen gehört (Vater des KV, 1. Frau des KV, Nachfolgefrau des KV? etc.) die über psych. Zustand des KV Auskunft geben können?

Herlichen Dank für Eure Antworten
Sabine

Limonea
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Re: Wille der Kinder 11 Jahre

Beitragvon Limonea » 24.08.2015, 00:54

oesi2015 hat geschrieben:Vielen Dank für die Antwort!

Wie lange sind die Verfahrensdauern derzeit (Besuchsrecht plus SV Gutachten plus 2. Instanz)?

Ein gutes Jährchen wird da meist schon vergehen. Das hängt vor allem von der ersten Instanz ab. Wenn ein Richter zb eine Mediation vorschlägt und das Verfahren dabei ruht, dauert es entsprechend länger. Oder wenn es vorläufig begleitete Besuche gibt. Oder wenn ein Richter abgelehnt wird. Die 2. Instanz entscheidet nur noch nach dem Akt, relativ einheitlich 3-5 Monate.

oesi2015 hat geschrieben: es eine Chance ein GA über den KV zu erwirken, um eine Soziopathie nachweisen zu können?

Die Sachverständigen erheben meistens die Persönlichkeitsstruktur beider Parteien. Dabei steht aber eher die Frage im Vordergrund: wie wirkt sich das auf das Kind aus? Das Gutachten konzentriert sich darauf, wie die Beziehungen zwischen Kind und jeweils den Elternteilen sind. Wenn Sie bestimmte Fragestellungen haben, dann können Sie das beantragen. Mit laienhaften vorfabrizierten Diagnosen wäre ich eher zurückhaltend.
oesi2015 hat geschrieben: Werden Zeugen gehört (Vater des KV, 1. Frau des KV, Nachfolgefrau des KV? etc.) die über psych. Zustand des KV Auskunft geben können?

Die Ex soll darüber Auskunft geben, ob der KV richtig tickt? Wenn es keine handfesten Beweise im Sinne von medizinischen Gutachten/Arztbriefen(/Therapien oä gibt, dann ist das kaum denkbar.

Persönliche Anmerkung:
Das Kontaktrecht ist ein sehr starkes Recht, das wirklich nur bei einer konkreten und aktuellen Gefährdung des Kindes ausgesetzt werden kann. Es kann sehr wohl sein, dass jemand nicht besonders einfühlsam ist und es auch keine besonders enge oder sichere Bindung gibt. Das ist aber kein Grund einen Kontakt mit dem Kind (auch alleine) zu untersagen. Wobei man natürlich auch das Alter des Kindes (Säugling, Kleinkind) bzw besonderes Umstände (zb chronische Erkrankungen des Kindes) berücksichtig. So ist das Gesetz.
Das Gericht wird dem Vater sicher nicht zum Vorwurf machen, dass er den Wunsch hat, dass die Kinder bei ihm übernachten oder er sie alleine sehen will. Ganz im Gegenteil, wird es diesen Wunsch als
(selbst-) verständlich und gut auffassen.
Ich glaube Ihnen, dass Ihre Sorgen ihre Berechtigung haben. Es besteht auch keine besondere Notwendigkeit, Knall auf Fall in Übernachtungskontakte zu verfallen. ME (und bei wirklich wenig Kenntnis der Situation) fahren Sie am Besten, wenn Sie selber etwas im Sinne eines Stufenplans vorschlagen und die Situation dann jeweils neu evaluieren lassen. Ab spätestens 14 Jahren kann nicht mehr gegen den Willen des Kindes entschieden werden. Man wird aber von Ihnen erwarten und verlangen, dass sie dem ganzen zumindest eine Chance geben und auf die Kinder positiv einwirken.

Wenn es konkrete, dokumentierte Gewalterfahrungen mit dem KV gab, dann müssen Sie das natürlich vorbringen. Hier werden Sie aber auch begründen müssen, weshalb Sie trotzdem einen Kontakt gefördert haben. (Ja, es ist eine Gratwanderung)

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Re: Wille der Kinder 11 Jahre

Beitragvon dgt » 25.08.2015, 14:48

oesi2015 hat geschrieben:Gibt es eine Chance ein GA über den KV zu erwirken, um eine Soziopathie nachweisen zu können?

ja

oesi2015 hat geschrieben:Werden Zeugen gehört (Vater des KV, 1. Frau des KV, Nachfolgefrau des KV? etc.) die über psych. Zustand des KV Auskunft geben können?

Naja, Diagnosen werden die Leute kaum stellen. Wenn es sich nicht um eine manifeste psychiatrische Diagnose handelt wird das Ganze im Sand verlaufen. Ich habe in 30 Jahren keine 15 Leute mit psychiatrischer Diagnose gesehen.

Karin
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Re: Wille der Kinder 11 Jahre

Beitragvon Karin » 25.08.2015, 15:01

oesi2015 hat geschrieben: Werden Zeugen gehört (Vater des KV, 1. Frau des KV, Nachfolgefrau des KV? etc.) die über psych. Zustand des KV Auskunft geben können?

Selbst wenn Zeugen (wie sie es nennen) gehört werden, ist das nur ein Teil des Gesamtbildes. Auch wenn ein fachkundiger SV den KV anhört bzw. mit eigens entwickelten Testverfahren untersucht, ist das eine Momentaufnahme, die mitunter ein differenziertes Bild liefert (als man eigentlich "erwartet") ... :roll:
Liebe Grüße
Karin


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