Strafantrag wg. einer 'Watsche'

funfair
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Strafantrag wg. einer 'Watsche'

Beitragvon funfair » 21.12.2010, 12:33

Guten Tag!

Ich weiss nicht ob ich in diesem Forum damit richtig bin.

Ich hätte mal eine allgemeine Frage:
Mit welcher Strafe muss man im Höchstfall rechnen, wenn man jemandem nur eine 'Watsche' gibt, diese aber OHNE Folgeschäden geschah?

Laut Polizei ist sowas eine 'Schwere Körperverletzung'!?

Ich hoffe, ihr könnt mal kurz helfen. Danke im Vorraus

msk

Re: Strafantrag wg. einer 'Watsche'

Beitragvon msk » 21.12.2010, 12:47

Die Polizei wird wohl kaum "Recht" sprechen. Ob und was es ist, entscheidet immer noch das Gericht. Die Polizei ist lediglich Anzeigenleger und hat sich über eine Beurteilung derselben nicht einzulassen.

Grundsätzlich ist davon auszugehen, wenn es zu knöchernen Verletzungen gekommen ist, dass man von einer schweren Körperverletztung ausgehen kann (obwohl glaublich nicht mal ein Nasenbeinbruch eine schwere darstellt), wiederum auch abhängig von der Dauer der Arbeitsunfähigkeit. Eine klassische Watschn (vieleicht mit einer Rötung der Wange) wird wohl keine sein. Es kommt wohl auch darauf an was sie unter einer gewöhnlichen Watschn verstehen.

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Re: Strafantrag wg. einer 'Watsche'

Beitragvon Nachfolgefrau » 21.12.2010, 12:54

funfair hat geschrieben:Guten Tag!

Ich weiss nicht ob ich in diesem Forum damit richtig bin.

Ich hätte mal eine allgemeine Frage:
Mit welcher Strafe muss man im Höchstfall rechnen, wenn man jemandem nur eine 'Watsche' gibt, diese aber OHNE Folgeschäden geschah?

Laut Polizei ist sowas eine 'Schwere Körperverletzung'!?

Ich hoffe, ihr könnt mal kurz helfen. Danke im Vorraus

Defintion der schweren Körperverletzung ist mE eindeutig und hat auch nichts mit "knöchernen Verletzungen" zu tun:

StGB § 84.
(1) Hat die Tat eine länger als vierundzwanzig Tage dauernde Gesundheitsschädigung oder Berufsunfähigkeit zur Folge oder ist die Verletzung oder Gesundheitsschädigung an sich schwer, so ist der Täter mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren zu bestrafen.

(2) Ebenso ist der Täter zu bestrafen, wenn die Tat begangen worden ist
1. mit einem solchen Mittel und auf solche Weise, womit in der Regel Lebensgefahr verbunden ist,
2. von mindestens drei Personen in verabredeter Verbindung,
3. unter Zufügung besonderer Qualen oder
4. an einem Beamten, Zeugen oder Sachverständigen während oder wegen der Vollziehung seiner Aufgaben oder der Erfüllung seiner Pflichten.


Merke also: Sollte der Polizist selbst abgewatscht worden sein, so hat ebenjener schon recht! Das ist IMMER eine schwere Körperverletzung, egal vom Verletzungsgrad. :wink:

Hingegen "leichte Körperverletzung":
StGB § 83.
(1) Wer einen anderen am Körper verletzt oder an der Gesundheit schädigt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bis zu 360 Tagessätzen zu bestrafen.

(2) Ebenso ist zu bestrafen, wer einen anderen am Körper mißhandelt und dadurch fahrlässig verletzt oder an der Gesundheit schädigt.


Schwere Dauerfolgen, Absichtlichkeit der Verletzung, tödlicher Ausgang etc. erhöhen das Strafmaß (§§ 85 ff.)
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funfair
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Re: Strafantrag wg. einer 'Watsche'

Beitragvon funfair » 21.12.2010, 20:45

Ok, danke euch. Das beruhigt mich wieder ein wenig.

Die Watsche war gegen ein Kind, vor über einem Jahr (wurde aber erst jetzt angezeigt).
Man hat nur die Abdrücke der Finger gesehen, also keine Knochenbrüche oder dgl.

Fragt sich nun aber auch ob das Kind (heute 7) als Zeuge geeignet ist wenn es doch schon so lange her ist!?

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Re: Strafantrag wg. einer 'Watsche'

Beitragvon dgt » 21.12.2010, 21:09

funfair hat geschrieben:Guten Tag!

Ich weiss nicht ob ich in diesem Forum damit richtig bin.

Ich hätte mal eine allgemeine Frage:
Mit welcher Strafe muss man im Höchstfall rechnen, wenn man jemandem nur eine 'Watsche' gibt, diese aber OHNE Folgeschäden geschah?

Laut Polizei ist sowas eine 'Schwere Körperverletzung'!?

Ich hoffe, ihr könnt mal kurz helfen. Danke im Vorraus

eine Watsche OHNE jegliche Folgen (umindest Hautrötung) ist gar keine Körperverletzung, schon gar nicht ein schwere.

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Re: Strafantrag wg. einer 'Watsche'

Beitragvon lucy01 » 16.02.2011, 12:25

Hallo!
Eigentlich traurig dass das keine strafrechtlichen Konsequenzen hat.
Wie scheut das aus wenn jemand das Kind so schlägt dass es Hämatome hat und ins Krankenhaus muss. Ist wenigstens dann mit Strafe zu rechnen?
(kein persönlicher angriff an den vorherigen Poster, nur Interesse)

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Re: Strafantrag wg. einer 'Watsche'

Beitragvon dgt » 16.02.2011, 16:04

lucy01 hat geschrieben:Hallo!
Eigentlich traurig dass das keine strafrechtlichen Konsequenzen hat.
Wie scheut das aus wenn jemand das Kind so schlägt dass es Hämatome hat und ins Krankenhaus muss. Ist wenigstens dann mit Strafe zu rechnen?
(kein persönlicher Angriff an den vorherigen Poster, nur Interesse)

Hämatome sind Körperverletzung, dann kann es durchaus zu einem Strafverfahren kommen. Kann deshalb, weil auch die Möglichkeit einer Diversion (zB Außergerichtliche Tatausgleich, Auflagen zB Therapie für Täter etc.) besteht.

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Re: Strafantrag wg. einer 'Watsche'

Beitragvon funfair » 03.07.2011, 20:38

Folgender Beschluss wurde nun, über ein halbes Jahr später, gesendet:

...Der Beschwerde wird Folge gegeben, der angefochtene Beschluss aufgehoben und die Sache zur Verhandlung und Entscheidung an das Erstgericht zurückverwiesen...


Womit ist nun zu rechnen?

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Re: Strafantrag wg. einer 'Watsche'

Beitragvon werner » 03.07.2011, 21:35

alles von vorne
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Re: Strafantrag wg. einer 'Watsche'

Beitragvon funfair » 03.07.2011, 23:00

Auch wenn schon Strafe bezahlt wurde und damit auch im Dezember der Fall eigentlich bereits geschlossen wurde?
Kann die Strafe dann diesmal härter ausfallen, oder wie läuft das dann?

Vor allem, da in dem aktuellen Beschluss nicht nicht Wahrheit über den Tathergang geschrieben steht... :cry:

Bernd Podhradsky

Re: Strafantrag wg. einer 'Watsche'

Beitragvon Bernd Podhradsky » 14.07.2011, 00:57

Vielleicht stehe ich auf der Leitung, aber noch ist die Situation nicht stimmig dargelegt.

Erging in dem Verfahren ein Urteil? Wenn ja, um welchen Beschluss handelt es sich nun? Wenn nein, was haben Sie dann im Dezember bezahlt? Was meinen Sie mit "geschlossen wurde"?

Eine Watsche mit herbeigeführter Verletzung wird wohl (je nach Vorsatz) § 83 Abs 1 oder 2 sein. Eine Qualifikation kann ich mir nicht vorstellen.

Beste Grüße,
Bernd Podhradsky

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Re: Strafantrag wg. einer 'Watsche'

Beitragvon funfair » 17.07.2011, 11:50

Das Urteil war Strafe zahlen, damit sei dann alles erledigt.
Eine Verwarnung war sowieso drin, was auch verständlich ist.
Die Strafe wurde auch bezahlt, aber anscheinend ist es denen nicht genug gewesen so wie es scheint.

Der 'Täter' führt ansonsten ein recht normales Leben, und es ist auch sonst nie was vorgefallen.

funfair
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Re: Strafantrag wg. einer 'Watsche'

Beitragvon funfair » 01.08.2011, 19:22

Noch eine Frage:
Kann es denn einfach so gehen, dass alles wieder neu angefangen wird?
Der Richter hat nämlich was gröberes gegen den Täter, und daher ist es fraglich ob es nicht irgendwie noch eine zusätzliche Rache des Richters ist, obwohl dem 'Täter' ja eigentlich von dem Richter eh schon genug Schaden zugefügt wurde...

Mit welcher Begründung wird sowas überhaupt gemacht?
Die Tat war bereits im Jahr 2009, es gab eine Verhandlung, es wurde Strafe bezahlt.
Warum dann also nochmal alles von vorn?
Muss es sein, dass einem ansonsten ganz normalen und liebevollen Menschen so etwas angetan wird?

Bernd Podhradsky

Re: Strafantrag wg. einer 'Watsche'

Beitragvon Bernd Podhradsky » 17.08.2011, 00:14

funfair hat geschrieben:Noch eine Frage:
Kann es denn einfach so gehen, dass alles wieder neu angefangen wird?

Wie gesagt, der bisherige Verlauf des Verfahrens ist mir völlig schleierhaft. Hier müsste man genau wissen, um welche Verfahren es geht (ist es tatsächlich nur eines?) und welche Entscheidungen darin ergangen sind.

funfair hat geschrieben:Der Richter hat nämlich was gröberes gegen den Täter, und daher ist es fraglich ob es nicht irgendwie noch eine zusätzliche Rache des Richters ist, obwohl dem 'Täter' ja eigentlich von dem Richter eh schon genug Schaden zugefügt wurde...

Die Anklage hat aber sicherlich nicht der Richter sondern die Staatsanwaltschaft (uU als Privatanklagedelikt von Privatperson) eingebracht. Eine Rache des Richters kann sich also maximal in seiner Entscheidung widerspiegeln, wobei mir das sehr weit hergeholt erscheint. Man muss halt verstehen, dass eine "Watsche" sehr wohl strafrechtlich relevant sein kann und zu Recht bestraft wird.

funfair hat geschrieben:Mit welcher Begründung wird sowas überhaupt gemacht?
Die Tat war bereits im Jahr 2009, es gab eine Verhandlung, es wurde Strafe bezahlt.
Warum dann also nochmal alles von vorn?

Wie gesagt, das kommt mir äußerst schleierhaft vor. Geht es evtl darum, dass das Strafverfahren abgeschlossen und die Strafe bezahlt wurde und es jetzt zu einem Zivilverfahren (Schadenersatz) kommt? Ohne Details kann hier keine seriöse Antwort erwartet werden.

funfair hat geschrieben:Muss es sein, dass einem ansonsten ganz normalen und liebevollen Menschen so etwas angetan wird?

Diese Emotionalisierung ist vollkommen unangebracht. Wenn jemand eine strafrechtlich relevante Handlung gesetzt hat, ja, dann muss auch einem sonst "ganz normalen und liebenvollen" Menschen ein Verfahren angetan werden.

Überhaupt frage ich mich, warum eine "Watsche" eines ansonst unbescholtenen Menschen nicht diversionell erledigt wurde.

Mit freundlichen Grüßen,
Bernd Podhradsky

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Re: Strafantrag wg. einer 'Watsche'

Beitragvon funfair » 17.08.2011, 23:23

Danke, die Antworten haben mir nicht mehr geholfen, da viel zu spät...
Verhandlung war bereits am 11. und es kam wiederum das gleiche raus...
Gebracht hat es also rein gar nix...


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