Anklage und Strafverfahren Ablauf?

hofem
Beiträge: 55
Registriert: 18.11.2008, 10:36

Anklage und Strafverfahren Ablauf?

Beitragvon hofem » 24.11.2014, 20:53

Hallo!

Vielleicht könnte mir jemand bei folgender Sache helfen.

Es geht um einen Jugendlichen, 17 Jahre.
Der Staatsanwalt erhebt die Anklage "Vergehen des Raufhandels nach §91 Abs 2 StGB".
Als Beweismittel wird Abschlussbericht der PI angeführt.
Das alles kam ganz unerwartet, weil der Jugendliche als Zeuge seitens der Polizei angehört wurde und nicht als Täter, aber nun ist das egal.

Daher habe ich folgende Fragen:
1. Jugendliche wurde seitens den Polizisten alleine angehört, ohne gesetzlichen Vertreter und wurde auf keine Konsequenzen hingewiesen. In Ordnung?
2. Der Polizist versuchte immer wieder mit eigenen Wörter die Aussage zu schreiben und musste paar Mal die Aussage zerreisen, da sich Jugendliche beschwert hatte. In Ordnung seitens den Polizisten bzw. kann das vor dem Richter vorbringen.
3. Nachdem der Jugendliche die Aussage unterschrieben hat, wurde ihm keine Kopie ausgehändigt. In Ordnung?
4. Kann man diesen Polizisten am Verhandlungstag vorladen?
5. Gericht stellte dem Jugendlichen bzw. seinen Eltern den Abschlussbericht der PI nicht zur Verfügung. Ist das im Strafverfahren normal?
6. Kann man sich diesen Bericht vom Gericht abholen und ist das mit Kosten verbunden?
7. Wenn die Anklage seitens SA zurückgezogen wird bzw. es kommt zu einem Freispruch, werden die Kosten des Prozesses rückerstattet (wie z.B. kostenpflichtige Beweise, Vertreter vor dem Gericht usw.)?
8. Es ist noch nicht bekannt, wie die Polizei die Suppe gekocht hat bzw. an was SA seine Anklage stützt. Im Falle das es hart auf hart kommt, hat der Jugendlihce die Möglichkeit Verfahrenshilfe zu beantragen und falls ja, wie?

Ich danke euch im Voraus und hoffe, dass alles glimpflich ausgeht!

hofem

Benutzeravatar
dgt
Site Admin
Beiträge: 7333
Registriert: 27.01.2007, 10:55
Wohnort: Linz

Re: Anklage und Strafverfahren Ablauf?

Beitragvon dgt » 25.11.2014, 09:43

hofem hat geschrieben:Es geht um einen Jugendlichen, 17 Jahre.
Der Staatsanwalt erhebt die Anklage "Vergehen des Raufhandels nach §91 Abs 2 StGB".
Als Beweismittel wird Abschlussbericht der PI angeführt.
Das alles kam ganz unerwartet, weil der Jugendliche als Zeuge seitens der Polizei angehört wurde und nicht als Täter, aber nun ist das egal.

Daher habe ich folgende Fragen:
1. Jugendliche wurde seitens den Polizisten alleine angehört, ohne gesetzlichen Vertreter und wurde auf keine Konsequenzen hingewiesen. In Ordnung?

hofem hat geschrieben:2. Der Polizist versuchte immer wieder mit eigenen Wörter die Aussage zu schreiben und musste paar Mal die Aussage zerreisen, da sich Jugendliche beschwert hatte. In Ordnung seitens den Polizisten bzw. kann das vor dem Richter vorbringen.

Mit welchem Zweck, stimmt letztlich das Protokoll oder nicht?
hofem hat geschrieben:3. Nachdem der Jugendliche die Aussage unterschrieben hat, wurde ihm keine Kopie ausgehändigt. In Ordnung?

kann man diskutieren, nur was will man daraus ableiten
hofem hat geschrieben:4. Kann man diesen Polizisten am Verhandlungstag vorladen?

Ja, nur zu welchem Beweisthema
hofem hat geschrieben:5. Gericht stellte dem Jugendlichen bzw. seinen Eltern den Abschlussbericht der PI nicht zur Verfügung. Ist das im Strafverfahren normal?

Schlicht bei Gericht kopieren, nachgetragen wird nichts.
hofem hat geschrieben:6. Kann man sich diesen Bericht vom Gericht abholen und ist das mit Kosten verbunden?

Grundsöätzlich ja, bei Verfahrenshilfe bekommt man den vollständigen Akt unentgeltlich.
hofem hat geschrieben:7. Wenn die Anklage seitens SA zurückgezogen wird bzw. es kommt zu einem Freispruch, werden die Kosten des Prozesses rückerstattet (wie z.B. kostenpflichtige Beweise, Vertreter vor dem Gericht usw.)?

Beitrag (nicht alles) zu den Verteidigerkosten, sonst nicht, vor allem nicht der gesetzliche Vertreter.
Bei Verfahrenshilfe gibt es keinen Kostenersatz
hofem hat geschrieben:8. Es ist noch nicht bekannt, wie die Polizei die Suppe gekocht hat bzw. an was SA seine Anklage stützt. Im Falle das es hart auf hart kommt, hat der Jugendliche die Möglichkeit Verfahrenshilfe zu beantragen und falls ja, wie?

Ich würde sofort einen Verfahrenshilfeanwalt beantragen.

hofem
Beiträge: 55
Registriert: 18.11.2008, 10:36

Re: Anklage und Strafverfahren Ablauf?

Beitragvon hofem » 01.12.2014, 08:00

Danke Herr Tews!

Ich habe die Unterlagen erwartet, um bei offenen Punkten nachzufragen.
Die Frage mit den Polizisten hat sich erledigt. Aus der Unterlagen lese ich nur, dass für SA die Beschuldigung einen Täter/Auslöser gegnüber Jugendlichen ausgereicht hat um die Anklage zu erheben.In Zeugen Aussagen bzw. Beteiligten Aussagen wird der Jugendliche nicht als Beteiligter erwähnt, sondern als Opfer bzw. Zeuge.
Sogar im ersten Bericht wurde er als Zeuge angehört.

Daher noch paar Fragen:
1. Wo muss er hingehen wegen Verfahrenshilfe? Sucht er sich einen Anwalt und dieser beantragt die Verfahrenshilfe oder geht er zum Gericht und beantragt dort?
2. Gilt der Amtstag im Strafprozess auch? Bzw. kann er zu dem Richter am Di. gehen?
3. Wenn er einen Anwalt bekommt bzw. einen findet, kann er einen Antrag auf die Abweisung der Anklage stellen und Umänderung auf Opfer/Zeuge?
4. Verhandlung ist auf 2 Std. angesetzt. Wrden dabei alle Täter/Opfer/Zeugen angehört bzw. hat der Vertreter/Anwalt des Jugendlichen das Recht die Fragen zu stellen?

Tut mir leid, dass die Fragen ein wenig konfus sind, aber manchmal verstehe ich unser Rechtssystem(ablauf). Der Kleine wird in etwas hineingezogen (ok als Zeuge/Opfer) aber noch dazu verklagt, nur durch eine Aussage. Nämlich dieser Täter hat den Jugendlichen geschupst und erst als er erfahren hat, dass er ein Jugendlicher ist, hat er die Aussage gemacht, dass der Jugendliche danach zugeschlagen hat.....
Danke im Voraus!
hofem

Benutzeravatar
dgt
Site Admin
Beiträge: 7333
Registriert: 27.01.2007, 10:55
Wohnort: Linz

Re: Anklage und Strafverfahren Ablauf?

Beitragvon dgt » 01.12.2014, 15:56

hofem hat geschrieben:Ich habe die Unterlagen erwartet, um bei offenen Punkten nachzufragen.
Die Frage mit den Polizisten hat sich erledigt. Aus der Unterlagen lese ich nur, dass für SA die Beschuldigung einen Täter/Auslöser gegnüber Jugendlichen ausgereicht hat um die Anklage zu erheben.In Zeugen Aussagen bzw. Beteiligten Aussagen wird der Jugendliche nicht als Beteiligter erwähnt, sondern als Opfer bzw. Zeuge.
Sogar im ersten Bericht wurde er als Zeuge angehört.

Daher noch paar Fragen:
1. Wo muss er hingehen wegen Verfahrenshilfe? Sucht er sich einen Anwalt und dieser beantragt die Verfahrenshilfe oder geht er zum Gericht und beantragt dort?

Bei Gericht einen schriftlichen Antrag stellen (kann auch der gesetzliche Vertreter machen)
hofem hat geschrieben:2. Gilt der Amtstag im Strafprozess auch? Bzw. kann er zu dem Richter am Di. gehen?

Amtstage sind nur für das Bezirksgericht vorgesehen
hofem hat geschrieben:3. Wenn er einen Anwalt bekommt bzw. einen findet, kann er einen Antrag auf die Abweisung der Anklage stellen und Umänderung auf Opfer/Zeuge?

Sinnlos. Über diese Frage muss zuerst der Richter verhandeln. Man kann aber gleichzeitig Beschuldigter und Privtbeteiligter (Opfer) sein.
hofem hat geschrieben:4. Verhandlung ist auf 2 Std. angesetzt. Wrden dabei alle Täter/Opfer/Zeugen angehört bzw. hat der Vertreter/Anwalt des Jugendlichen das Recht die Fragen zu stellen?

Dürfte sich nicht ausgehen. Entweder die Verhandlung dauert viel länger oder es wird vertagt.
Ich habe mich noch nie mit der Frage beschäftigt. Aber Sie dürfen:
StPO § 249 (1) Außer dem Vorsitzenden sind auch die übrigen Mitglieder des Schöffengerichts, die Beteiligten des Verfahrens und Opfer sowie deren Vertreter befugt, an jede zu vernehmende Person, nachdem sie das Wort hiezu vom Vorsitzenden erhalten haben, Fragen zu stellen.
Überlassen Sie das Fragestellen aber den Profis.

hofem hat geschrieben:ut mir leid, dass die Fragen ein wenig konfus sind, aber manchmal verstehe ich unser Rechtssystem(ablauf) nicht. Der Kleine wird in etwas hineingezogen (ok als Zeuge/Opfer) aber noch dazu verklagt, nur durch eine Aussage. Nämlich dieser Täter hat den Jugendlichen geschupst und erst als er erfahren hat, dass er ein Jugendlicher ist, hat er die Aussage gemacht, dass der Jugendliche danach zugeschlagen hat.....

Oft genug ist eine einzige Aussage ausschlaggebend für eine Anklage und dann eine Verurteilung.


Zurück zu „Strafprozessrecht“