Lizenzgebühren für Fotos

niketo
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Lizenzgebühren für Fotos

Beitragvon niketo » 02.11.2009, 16:13

Liebe Forumsmitglieder,

Ich habe hier eine dringende Frage:

Vor einiger Zeit habe ich bei Ebay eine externe Festplatte von einem gewerblichen Händler gekauft, die aber nicht mit meinem Komputer gepasst hat. Dann habe ich ihn gefragt, ob ich die zurückschicken kann, was auch kein Problem wäre. Da aber der Händler irgendwie sehr nett war, habe ich mich entschlossen die Platte weiter zu verkaufen, statt sie ihm zurück zu geben. Ich habe die Festplatte zum Verkauf in Ebay angeboten und es war mir egal, auch wenn ich etwas dabei verliere (Auktion ab 1 Euro, die Festplatte hat sowieso nur 30 Euro gekostet). Dafür habe ich die Informationen von seinem Angebot genommen und da die Platte schon eingepackt und total neu war (wollte sie nicht zu viel aus- und einpacken desswegen), habe ich leider zwei Fotos aus seinem Angebot benützt.

Mein Angebot war daraufhin nicht mehr als eine Woche online (ca. 5 Tage), weil der andere Verkäufer mich bei Ebay gemeldet hat und dann wurde das Angebot gelöscht. Na gut, ich habe dann doch die Fotos selbst gemacht und die Festplatte verkauft (mit Verlust). In einigen Tagen ist aber einen Brief von einem Anwalt in Deutschland (Sitz vom Verkäufer) gekommen, wo ich dazu verpflichtet war eine Erklärung zu unterschreiben, dass ich keine Bilder von diesem Verkäufer mehr benützen werde und 700 Euro Lizenzgebühren zahlen muss (300 je Bild und 100 Anwaltskosten). Ich sollte die Erklärung bis zu eine Woche abgeben, weil sonst eine Straffe von 2500 Euro auf mich zukommen werde. Ich habe dann die Erklärung unterschrieben (sollte ich vielleicht doch nicht tun) und zusammen mit einem Brief geschickt. In dem Brief habe ich alles erklärt (dass ich eigentlich der Verkäufer etwas Gutes tun wollte, als ich ihm die Festplatte nicht zurückgebe), habe ich geschrieben, dass ich kein Gewinn davon machen wollte und seine Bilder nirgendwo sonst benützt habe. Es war ein Privatverkauf, bin kein Händler. Ich wusste nicht, dass es so schlimm wäre. Man sieht auch grosse gewerbliche Verkäufer in Ebay, die die vollen Informationen von Firmen wie Apple z.B. kopieren... Ich habe geschrieben, dass ich ausserstande bin zu bezahlen, da ich Arbeitslos bin.

Zu meiner Situation. Ich bin Musiker, freischaffend. Dieses Jahr ist aber sehr schlimm und ich habe gar keine Arbeit und absolut kein monatliches Einkommen. Ich bekomme auch kein Geld als Arbeitslos und darf noch nichts anderes arbeiten, da ich Bulgare bin. Ich lebe mit meiner Freundin, im Moment sie kommt für alles auf, und ich von Minus in der Bank...

Was habe ich dann noch gefunden. Erstens, ich habe einen anderen Verkäufer in Ebay entdeckt, auch gewerblich und mit über 15000 Bewertungen, der absolut das selbe eine Foto benützt hat. Aus diesem Grund kann ich mir doch nicht sicher sein, wem die Rechte gehören. Das eine Foto benützen zwei Verkäufer und das andere ist sehr professionell, so als von der originelle Homepage genommen...

Zweitens, ich habe die Broschüre gefunden, auf Grund welcher die Kosten für die Bilder gestellt wurden. Da steht aber für 2009, Bilder online bis eine Woche - 60 Euro pro Bild, also insgesammt 120.

Ich habe mir gedacht das alles dem Anwalt zu schreiben, ihm zu fragen, wie er auf 300 Euro pro Bild kommt und auch irgendein Beweis verlangen, dass die Rechte diesem Verkäufer gehören. Vorher aber war ich bei der kostenlosen Rechtsberatung in Wien um zu fragen, was ich tun soll. Die Anwältin dort hat mir gesagt, dass ich mit dem Schicken der Erklärung schon fast zu viel gemacht habe. Sie hat gesagt, ich soll ab jetzt gar nicht mehr reagieren und es darauf ankommen lassen. Sehen wir was passiert. Sie glaubt nämlich, dass für 700 Euro werden Sie mich aus Deutschland gar nicht klagen wollen.

Letzte Woche habe ich aber noch einen Brief bekommen, da ich mich mit der Verpflichtungserklärung dazu verpflichtet habe das Geld zu bezahlen (habe leider diesen Punkt nicht durchgestrichen, wusste nicht, dass sowas geht, andererseits habe ich im Brief geschrieben, dass ich nicht zahlen kann), soll ich schreiben in welchen Raten ich das machen möchte, wenn ich anders nicht kann. Was soll ich jetzt tun? Soll ich antworten oder nicht? Ist es schon vorbei, wenn ich diese Erklärung unterschrieben habe? Ich habe irgendwie Angst den Rat der Anwältin zu folgen und einfach zu schweigen. Ansonsten muss ich eine Antwort bis zum 5.11 geben.

Ich finde das Ganze schon unfair. Mir ist klar, dass ich etwas Falsches gemacht habe, aber jeder normaler Mensch wird mich zuerst abmahnen, bevor er zum Anwalt geht. Und ich wollte, wie so oft, nur Gutes tun, dafür muss ich jetzt bezahlen? Ich denke, dass der Verkäufer eine günstige Gelegenheit gesehen hat und desswegen handelt er so. Ich habe ihm auch eine Email geschickt, noch am Anfang, und mich entschuldigt. Habe für andere Lösung gebeten, er hat sich aber gar nicht gemeldet.

Ich hoffe, ich bekomme hier noch Hilfe und bedanke mich dafür sehr!!!

MfG,
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Re: Lizenzgebühren für Fotos

Beitragvon Nachfolgefrau » 02.11.2009, 20:50

ACHTUNG :!:

Es handelt sich möglicherweise um die altbekannten und seit einiger Zeit kursierenden betrügerischen Anwalts-Schreiben, um die sich der ebay-Käuferschutz bereits seit einiger Zeit kümmert:
http://testberichte.ebay.at/Unglaubliche-Anwaelte-und-Massenabmahnungen_W0QQugidZ10000000001022275

Ist ihre Anwältin darüber informiert? Wenn ja, sollten sie ihr Glauben schenken.
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Re: Lizenzgebühren für Fotos

Beitragvon niketo » 02.11.2009, 22:59

Hallo Nachfolgefrau,

Vielen Dank für die Antwort! Das habe ich noch nicht gekannt. Allerdings habe ich leider die Erklärung schon unterschrieben und ich glaube nicht, dass es sich um Betrug handelt, da die Abmahnung von der bekannten Kanzlei "Schlömer & Sperl" kommt, die sind Experte in Ebay-Fragen. Das habe ich jetzt noch in Erfahrung gebracht...

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Re: Lizenzgebühren für Fotos

Beitragvon Nachfolgefrau » 02.11.2009, 23:15

Ist es gesichert, dass ihre Abmahnung von dieser real existierenden Kanzlei kommt? Die betrügerischen Briefe kamen ebenfalls teilweise von namhaften Anwälten.
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Re: Lizenzgebühren für Fotos

Beitragvon niketo » 02.11.2009, 23:28

Ja, ich glaube schon, da sie probiert haben mir auch ein Fax zu schicken und auf dem Telefon war die Nummer der Kanzlei erschienen.

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Re: Lizenzgebühren für Fotos

Beitragvon niketo » 02.11.2009, 23:32

Allerdings habe ich keine Rechnung bekommen, sondern sollte ich das Geld auf denen Konto nur überweisen. Ein anderer Anwalt hat mir gesagt, dass da ich arbeitslos bin, kann ich im Falle einer Anklage nur bis 750 Euro gepfändet werden. Die Anwältin hat genau das gemeint, dass wegen so wenig Geld würden sie vielleicht gar nicht mich klagen wollen. Trotzdem aber weiss ich nicht, soll ich wirklich mich nicht melden jetzt... Ich habe schon Angst, dass es nicht noch schlimmer wird und weiss nicht wie soll ich jetzt vorgehen.

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Re: Lizenzgebühren für Fotos

Beitragvon werner » 02.11.2009, 23:36

sie könnten mal im internet die telefonnummer und die adresse der kanzlei raussuchen und diese mit den im ihnen zugegangen schreiben angegebenen daten vergleichen.
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Re: Lizenzgebühren für Fotos

Beitragvon niketo » 02.11.2009, 23:41

Habe ich gerade gemacht, die Nummern stimmen...

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Re: Lizenzgebühren für Fotos

Beitragvon werner » 02.11.2009, 23:43

niketo hat geschrieben:Was habe ich dann noch gefunden. Erstens, ich habe einen anderen Verkäufer in Ebay entdeckt, auch gewerblich und mit über 15000 Bewertungen, der absolut das selbe eine Foto benützt hat. Aus diesem Grund kann ich mir doch nicht sicher sein, wem die Rechte gehören. Das eine Foto benützen zwei Verkäufer und das andere ist sehr professionell, so als von der originelle Homepage genommen...

Zweitens, ich habe die Broschüre gefunden, auf Grund welcher die Kosten für die Bilder gestellt wurden. Da steht aber für 2009, Bilder online bis eine Woche - 60 Euro pro Bild, also insgesammt 120.

Ich habe mir gedacht das alles dem Anwalt zu schreiben, ihm zu fragen, wie er auf 300 Euro pro Bild kommt und auch irgendein Beweis verlangen, dass die Rechte diesem Verkäufer gehören.
dokumentieren sie das auf jeden fall (falls die mahnung doch echt sein sollte). auf jeden fall sollten sie diesen anderen verkäufer kontaktieren und nach dem ursprung des von ihm verwendeten bildes fragen. erklären sie diesem ruhig, dass sie eine mahnung wegen eben diesem bild bekommen haben.

was hat es mit der von ihnen angesprochenen broschüre auf sich?
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Re: Lizenzgebühren für Fotos

Beitragvon niketo » 02.11.2009, 23:52

Im Brief von der Kanzlei steht, dass der Betrag von 300 Euro pro Bild sich im Einzelnen an den durch die Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (MFM festgesetzten Bildhonoraren für Einblendungen im Internet auf einer deutschsprachigen Website orientiert. Allerdings steht dann "so etwa auch..." und dann Urteile von 2002, 2006 und 2007. Also nichts vom 2008 oder 9 z.B. Dann habe ich gesucht und die MFM Broschüre für 2009 gefunden. Da steht Honorare online bis 1 Woche - 60 Euro pro Bild. Die Broschüre ist hier zu finden: http://www.bjv.de/go/bjv/_ws/resource/_ ... e_2009.pdf

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Re: Lizenzgebühren für Fotos

Beitragvon Nachfolgefrau » 03.11.2009, 00:04

Haben sie sich bereits bei ebay gemeldet? Vielleicht haben die bereits einen Akt dazu?

Es stimmt, bei ihnen ist nichts mehr pfändbar. Ich glaube dennoch nicht, dass an der Geschichte etwas Wahres dran ist in dem Sinne, dass sie eine Klage erhalten.
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Re: Lizenzgebühren für Fotos

Beitragvon niketo » 03.11.2009, 00:11

Ich habe damals von Ebay nur eine Email bekommen, dass mein Angebot gelöscht wurde, weil der andere Verkäufer sie überzeugen konnte, dass ich seine Fotos benützt habe. Ich habe mich mit Ebay nicht mehr darüber in Verbindung gesetzt. Soll ich das machen? Was soll ich sie fragen?

Und noch eine Frage. Als freischaffender Künstler, also Selbständig, bezahle ich weiter meine Versicherung bei der SVA, da ich immer wieder auf neue Aufträge hoffe... Wie kann ich dann beweisen, dass ich dieses Jahr nichts verdient habe? Das wird erst nächstes Jahr eventuell klar...

Und wenn ich mich jetzt nicht melde, wenn ich den Rat der Anwältin folge, und dann es zu eine Anklage von einem deutschen Gericht kommt, wie funktioniert dann das mit der Verfahrenshilfe? Muss ich die hier beantragen oder in Deutschland? Und muss ich dann nach Deutschland fahren oder passiert alles auf dem Postweg?

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Re: Lizenzgebühren für Fotos

Beitragvon michael » 03.11.2009, 06:02

hallo @ all !

da auch ich schon einmal in den "genuss" einer ev. solchen dubiosen firma kam und aufgefordert wurde, dies oder jenes bei sonstiger klage zu bezahlen, rate ich folgendes: kontakt mit arbeiterkammer auf zu nehmen !
die wissen über aktuelle scheinfirmen mit betrugsabsichten bescheid, und bieten ihnen auch gleich ein geeignetes antwortschreiben an !

bei mir hats funktioniert ! meine kosten: nur die gebühren für einen eingeschriebenen brief, und a ruah war ;-)
prbieren schadet nicht - viell. klappts...
lg michael

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Re: Lizenzgebühren für Fotos

Beitragvon niketo » 03.11.2009, 10:48

Morgen!

Vielen Dank für eure Hilfe und Anteilnahme! Ich denke zwar nicht, dass es sich bei mir um Betrug handelt, allerdings ist schon das Ganze sehr unfair. Ich ärgere mich sehr, dass ich die Erklärung unterschrieben habe. Ein Anwalt hat mir gesagt, dass wenn ich das nicht gemacht hätte, würden die auch nicht viel machen können, da für mich die österreichische Gesetze gelten und ein deutscher Gericht wird es schwer haben mich zu verklagen, was jetzt nicht mehr der Fall ist. Ich glaube, ich werde es einfach so lassen und gar nicht reagieren. Ich muss jetzt 700 Euro bezahlen. Im schlimmsten Fall einer Anklage muss ich dann 750 bezahlen. Die 2500 Euro Strafe, wie im Brief steht, können sie ja nicht verlangen, wenn ich arbeitslos bin. Ausserdem denke ich nicht, dass ein Gericht für so ein Blödsinn, für Fotos ohne jeder Wert (ist ja auch kein Kunst), mich wahnsinnig streng verklagen würde. Der Verkäufer hat kein Schaden von mir bekommen und ich habe letztendlich zum ersten und einziger Mal etwas Falsches gemacht. Ich denke, das beste jetzt ist einfach mich tot zu stellen und wenn sie mich für 700 Euro verklagen wollen, dann sollen sie das tun und auch alles für mich aus Deutschland organisieren, da ich mir kein Anwalt leisten kann. Was denkt ihr?

Ich kann auch den Tipp mit der Arbeiterkammer probieren, obwohl ich, wie gesagt, nicht denke, dass es sich um Betrug handelt.

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Re: Lizenzgebühren für Fotos

Beitragvon werner » 03.11.2009, 11:26

niketo hat geschrieben:Ich kann auch den Tipp mit der Arbeiterkammer probieren
auf jeden fall!
Immer daran denken:
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Re: Lizenzgebühren für Fotos

Beitragvon niketo » 03.11.2009, 11:40

Noch etwas. Ich habe gerade der anderen Verkäufer geschrieben. Er wollte die Abmahnung sehen. Daraufhin hat er sofort das Foto von seinem Angebot gewechselt... Also der kann mir auch nicht helfen.


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